Weinernte 2020: Traubenreife

Der angesetzte Erntebeginn in zwei Tagen scheint sich zu lohnen. Während vor 10 Tagen der Traubeninhalt noch sehr markig und die Traubenkerne noch grün waren,

verflüssigt sich das Mark mittlerweile durch traubeneigene Enzyme und die Kerne sind braun verfärbt. Zeichen für die sogenannte „physiologische Reife“ oder Geschmacksreife. Mehr Aroma und eine höhere Pressausbeute beim Keltern sind die Folge. Zu diesem Thema können Sie bei meinen Kollegen Bernhard Fiedler mehr nachlesen.

Die Rieslingtrauben sind bis auf wenige Sonnenbrandschäden in bester Verfassung. Große und dennoch lockerbeerige Trauben, die den einen oder anderen Regenguss unbeschadet überstehen können.

Die Ertragserwartungen sind in diesem Jahr sehr gut und wir hoffen, dass viele Fässer im Weinkeller gefüllt werden.

Weinernte 2020: Montag, den 05. Oktober um 8.30 Uhr

Am Montag, den 05. Oktober um  8.30 Uhr fangen wir mit der Ernte des Rieslings an. Aufgrund meiner langjährigen Erfahrung und unterstützt durch den kellerwirtschaftlichen Informationsservice  unserer Agrarberatung in Rheinland-Pfalz kann ich dieses Datum als Erntebeginn festlegen.

Der Vegetationsverlauf mit Blütebeginn, Wachstumsverlauf, Niederschlägen, Temperatur und andere Faktoren geben erste Hinweise auf den Erntebeginn. Unsere Agrarberatung analysiert wöchentlich einige Parameter aus denen wir weitere Erkenntnisse zur Festlegung des Beginns der Weinlese bekommen.

Es wird so langsam Zeit, das wir mit den Herbstvorbereitungen beginnen. Erntehelfer sind reichlich vorhanden und über den ungefähren Einsatztermin schon seit längerem Informiert. Seit gestern auf den Tag genau mit Uhrzeit.

Der Weinkeller und die Maschinen werden in den nächsten Wochen gereinigt und auf Funktionsfähigkeit überprüft.

Etwas Zeitreserve ist eingeplant. Sollten die Witterungsverhältnisse für unseren Riesling ungünstig werden und vorzeitige Fäulnis droht, können wir durchaus einige Tage früher anfangen.

vorbei

Die Hitzewelle der letzten Woche ist vorbei. Die Auswirkungen der heißen Tage sind noch lange zu sehen. Ob es durch Trockenstress von der Sonne abgewandte Blätter sind oder

die Blattschäden und Aufhellungen auf der Sonnenseite der Rebzeilen durch die UV-Strahlung.

Die schon in  der letzten Juliwoche aufgetretenen leichten Sonnenbrandschäden an den Trauben haben sich etwas vermehrt.

Beendet wurde diese Hitzeperiode durch ein recht kräftiges „Gewitterchen“. Leider kam ein Teil des Regens in fester Form vom Himmel.

Die Intensität des Hagels war Gott sei Dank nicht stark genug um Schaden anzurichten. Einige Beerchen sind aufgeplatzt und werden in den nächsten Tagen eintrocknen.

Glück im Unglück! In benachbarten Gemeinden kam es zu großen Schäden durch Hagel und zu massiven Überflutungen durch dieses Gewitter.

Trockenheit ist im Moment kein großes Thema mehr. Im August sind bislang ca. 70 Liter Regen gefallen. Das dürfte eine Zeit lang reichen.

kühl und dunkel

Temperaturbedingt wird jetzt im Weinkeller gearbeitet. Kühl und dunkel, ganz angenehm bei der Hitzewelle, die in den nächsten Tagen kommt.

Hoffentlich werden wir von den negativen Seiten der Wärme verschont. Sonnenbrandschäden wie letzte Woche oder gar letztes Jahr brauchen wir nicht, Hagelunwetter ebenfalls nicht, aber die sind auch nicht prognostiziert.

Was wir gerne hätten steht auf einem anderen Blatt. Zuerst natürlich der gewünschte tagelange Landregen, der leider nicht in Sicht ist. Dazu wieder kühlere Temperaturen und dieses und jenes noch…   🙂

spuren

Der gestrige Tag mit Temperaturen über 35 Grad hat erwartungsgemäß seine spuren im Weinberg hinterlassen. Wenige Rieslingtrauben haben Symptome von Sonnenbrand, einem Hitzeschaden. Er zeigt sich an einzelnen Beeren in Form eines runden Flecks mit verbrannter Haut. Einige Beeren sind sogar komplett am Eintrocknen.

Die Kühlung der Beerenoberfläche durch Verdunstung ist bei den hohen Temperaturen zusammen gebrochen. Die Beerentemperatur wurde zu hoch, sie sind regelrecht verkocht und trocknen ein.

Es sind nur wenige Trauben betroffen. Von einem Schaden wie im letzten Jahr kann man nicht sprechen und in den nächsten Tagen werden die Temperaturen sinken.

Die Ausgangslage im Weinberg ist übrigens bestens. Die Rebstöcke hängen recht voll und wenn die eine oder andere Rieslingtraube durch Sonnenbrand ausfällt, bleibt für den Winzer immer noch sehr viel übrig.  🙂

sehr vital und saftig grün

Die Weinberge sehen zurzeit sehr vital und saftig grün aus.  Die bisherigen Sommerregenfälle kamen immer zu rechter Zeit und so langsam dürfte müsste es wieder regnen. In zwei jüngeren Rebanlagen mit geringerer Bodenmächtigkeit sieht man etwas Kümmerwuchs als Folge des Wassermangels. Extrem wird es bei Rebstöcken, die direkt auf Fels stehen, wie im obigen Bild. Dort hat die Rieslingrebe schon in den extremen Wassersparmodus geschaltet und die Triebspitze ist vertrocknet (gesehen bei einem Kollegen).

Vom Regen würden auch die jungen Rieslingträubchen profitieren, die dieses Jahr reichlich in den Weinbergen hängen. Vermehrtes Dickenwachstum wäre die Folge und damit auch höhere Erträge, die nach dem mageren letzten Jahr die Fässer im Keller füllen würden.

Die sonstigen Rahmenbedingungen sind bis jetzt ausgezeichnet. Besonders gefällt uns das typisch deutsche Sommerwetter mit angenehmen Temperaturen. Wir sind frohen Mutes, was die kommende Weinernte betrifft.

Bürgerpflicht

Die Hauptsommerarbeiten sind weitestgehend erledigt. Es folgen die alljährlichen Nebenarbeiten, die rund ums Weingut und die Weinberge anfallen.

Die Böschungen oberhalb der Weinbergsmauern wurden letzte Woche nach dem abblühen der meisten Begrünungspflanzen mit dem Freischneider gemäht. Der Arbeitsplan sieht noch vor, Wege und Mauern zu säubern. Am Mauerfuß ist die Wasserführung von Pflanzen und Geröll zu befreien. Wichtig ist es, die Pflanzen zu entfernen, da sie Mauern und Wege auf die Dauer schädigen können.  Wir sind darauf eingestellt und entsprechendes Werkzeug ist vorhanden. Für die Feinarbeit Besen und Schippe. Fürs Grobe ein kräftiges Planierschild an der Raupe, das den gröbsten Dreck zusammenschiebt  und die Pflanzen mit Wurzeln aus den Fugen reißt.

Dafür müsste es allerdings einmal kräftig regnen, damit sich die Gewächse leicht aus den Fugen ziehen lassen.

Eine Bürgerpflicht, das Gemeinschaftseigentum, also Wege und Mauern,  sauber und intakt zu halten. Wird nicht von allen Kollegen als Pflicht gesehen, eher als Belastung, die die Gemeinden anmahnen müssen.

erbsengroß

Sehr schnell sind in den vergangenen Tagen die jungen Rieslingbeerchen gewachsen. Sie sind erbsengroß.  Nach ausreichendem Regen können die Rieslingreben nun wieder aus dem Vollen schöpfen. Die Trockenheit zum Anfang der Vegetationsperiode ist Geschichte und die Reben sind ungebremst am wachsen. Eine ganz andere Dimension wie in den letzten drei sehr trockenen Jahren.

Die Weinbergsarbeit ist diesen Sommer bisher sehr gut gelaufen: keinerlei Zeitdruck durch zu schnelles Rebwachstum und normale, „kühlere“ Sommertemperaturen, die das Arbeiten nicht zur Qual werden lassen. Drumherum alles im grünen Bereich, die Maschinen funktionieren wie sie sollen (bis auf kleine Ausnahmen…),  der Fruchtansatz der Reben ist sehr gut und und und…

Der 2020er könnte Wein vom glücklichen Winzer werden, falls nichts dazwischen kommt.