Der Stand der Dinge

Die kühlen Tage verzögern den Austrieb der Reben um etliche Tage. In den letzten Jahren waren wir mindestens eine Woche früher.

Was mich im Moment am meisten freut, sind die ausgiebigen Regenfälle in den letzten Tagen. Satte 44 Liter je qm binnen weniger Tage. Das ist ein guter Start in die Vegetationsperiode. Nach drei trockenen Jahren ein Lichtblick. Die Bodenwasservorräte dürften aufgefüllt sein.Peribatodes rhomboidaria, auch Rhombenspanner genannt ist auch schon in den Weinbergen unterwegs. Einige Rebknospen sind ausgefressen. Die Temperaturen hemmen ihn jedoch bei seiner Fraßtätigkeit. Warmes Wetter mit schnellem Austrieb der Reben wäre jetzt gut, da der Rhombenspanner nur die dicken Knospen ausfrisst. Mit frischem Grün kann er nichts anfangen.

Ich berichtete schon einmal über die Schäden, die diese Raupe verursacht.

Dann werde ich wohl während der Weinernte Urlaub haben…

Foto: Markus Schür

„Dann werde ich wohl während der Weinernte Urlaub haben“ (sinngemäß übersetzt), schrieb ein Winzer heute im französischen Winzerforum.

Drei kalte Nächte mit Spätfrost haben den Reben stark zugesetzt. Große Rebflächen sind in verschiedenen französischen Weinbaugebieten bei Temperaturen bis zu -6 Grad in erfroren. Totalschaden!

Einige Presseberichte mit Bildern und Videos finden Sie hier:

le Repulicain, franceinfo, Vitishere und le journal mit Videos

In Deutschland gibt es im Vergleich nur leichte Schäden. Obiges Bild zeigt erfrorene Reben am Kaiserstuhl. Foto: Raphael Schmidt

Die bekannten Frostlagen sind betroffen und natürlich Rebsorten, die vorzeitig austreiben. Kollege Raphael Schmidt (Mosel) musste in einer Rebanlage mit dem früh ergrünenden Goldmuskateller „heizen“, damit die Temperaturen oberhalb des Gefrierpunktes bleiben.

Frostbekämpfung ist nicht einfach, insbesondere über drei Tage hinweg. Als Möglichkeiten wären z.B. zu nennen:

Bei Kaltluftfrösten die Vermischung von eiskalter Bodenluft mit darüber liegenden wärmeren Luftschichten, in der Regel mittels Hubschrauber oder mobilen Windmaschinen. Strahlungsfröste bei klaren Himmel werden mittels Rauchbildung bekämpft. Z.B. nasse Heuballen verbrennen, damit genügend Qualm entsteht, der die Strahlung mit der Kälte abhält.

Feuerchen wie im obigen Bild mit Holz o.ä. oder speziellen großvolumigen Kerzen, sogenannte Frostkerzen. Sehr gut ist die Überkronenberegnung mit Wasser. Solange Wasser gefriert, sinkt die Temperatur nicht unter 0 Grad.

Jede Art der Frostschutzbekämpfung hat sein für und wider. Aber es gibt auch Grenzen, wie z.B. Verfügbarkeit von Wasser, Brennstoffen, Finanzmittel und richtig kalte Fröste.

Zu Nachlesen hier ein Artikel in Wikipedia.

Nachtrag 11.04.2021

Laut einigen berichten soll in Frankreich nach Angaben von Branchenverbänden derzeit 80 Prozent der französischen Weinbaugebiete mehr oder minder von Frost betroffen sein. Es zeichnet sich eine sehr geringe Weinernte ab. Desaströs…

Weitere starke Frostschäden gab es im Schweizer Wallis und in Norditalien.

Aprilwetter

Letzte Woche bei sehr warmem Wetter über die kurze Hose nachgedacht und nun ist Winterwetter. Morgens Minusgrade, über Nacht leichter Schneefall und heute hat es mich richtig erwischt. Im Weinberg bei der Bodenbearbeitung eisiger Wind und dann heftiges Schneetreiben, dass mich in einen Schneemann verwandelte. Zu Hause noch schnell den Kettenschlepper abgeladen und dem Geschehen vom trockenen aus zugeschaut.

Die Rieslingreben sind noch nicht ausgetrieben. Die Knospen beginnen jetzt langsam zu „schieben“ und werden dick. Die Frostgefährdung nimmt zwar zu aber bei diesen wenigen Minusgraden passiert noch nichts.

Noch eine frostige Nacht und dann soll es wärmer werden.

Zum Nachlesen über Spätfrost und andere üble Bilder bitte hier entlang.

Frühlingsstart

Der Frühling hat in den letzten Tagen so richtig Fahrt aufgenommen. Morgens noch bitterkalt im Weinberg und Nachmittags schon sommerliche Temperaturen. Viele Blüten sind in der Weinbergsbegrünung schon zu sehen. In Blau der Persische Ehrenpreis,die Purpurne Taubnessel oder die Traubenhyazinthen sind die Hingucker am Boden. In luftiger Höhe blühen natürlich unsere Weinbergpfirsiche. Etliche Bäume stehen bei uns in den Weinbergen und einige kommen erstmalig in den Ertrag. Wenn im Sommer zur rechten Zeit Regen fällt wird es sicherlich eine reichhaltige Ernte geben. Im letzten Jahr waren die Pfirsiche durch die Trockenheit recht mickrig geblieben mit wenig Aroma.

Die Wasserversorgung der Böden mit Winterniederschlägen würde ich als ausreichend bezeichnen. Wir nehmen aber gerne noch weiteres Wasser, das vom Himmel fällt. Nach drei trockenen Jahren hätte ich gerne einen Sommer mit mehr Regen wie in den vergangenen Jahren.

Rebschnitt

Der Rebschnitt ist bei uns sehr weit fortgeschritten. Es gab nur wenige Tage, an denen wir wetterbedingt nicht in den Weinberg gehen konnten.

In einem ersten Arbeitsschritt wird der Weinstock auf zwei Fruchtruten nebst Ersatzaugen auf dem Rebstamm zurückgeschnitten. Dann das arbeitsintensive Ausheben und Abschneiden der nicht benötigten Rebtriebe. Da die Rebe ursprünglich eine Bewohnerin von lichten Auwäldern war, ist sie mit Ranken versehen, um sich an den Bäumen zum Licht hochranken zu können.

Zu unserem Leidwesen hält sich insbesondere der Riesling intensiv mit den Ranken an den Drähten der Spaliere fest und muss zeitaufwändig herausgeschnitten werden. Zum Schluss erfolgt das passgenaue Einkürzen der noch verbliebenen Fruchtruten.

Rationalisierungsmöglichkeiten für den Steillagenweinbau gibt es fast gar keine. Mehr wie ein maschineller Vorschnitt oberhalb des obersten Drahtes der Erziehungsform ist bisher nicht machbar.

So müssen wir beim klassischen Handwerk bleiben. Mit der Hand arbeiten, im Gegensatz zur Industriellen Produktion.

Bürgerpflicht, die 2te

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Endlich konnte ich meiner Bürgerpflicht nachkommen und die Wege säubern. Ich schrieb hier bereits darüber.  Regen war reichlich gefallen, die Pflanzen ließen sich problemlos mitsamt ihren Wurzeln aus den Fugen zwischen Mauer und Weg  herausziehen. Etwas Fahrtechnik mit Raupe und Planierschild und die Arbeit war schnell erledigt.

Es hatte sich in den letzten Jahren reichlich Erde und Bewuchs angesammelt. Durch die Trockenheit der letzten Jahre wurde diese Arbeit immer wieder verschoben. Die Wurzeln hätten sich dermaßen in den Fugen festgekrallt, so das Beschädigungen am Gemeinschaftseigentum der Wege die Folge wären.

Mal schauen, ob andere Winzer sich animiert fühlen… 😉

Weinernte 2020: Eingetütet

Nachdem der Kampf um den letzten Rebstock, bedingt durch die Corona Abstandregelungen, etwas weniger heftig wie in den Vorjahren ausfiel, ist die  Weinernte  beendet worden.

Wie jedes Jahr ein dickes Lob und ein Dankeschön an unsere Erntemannschaft, die wie immer ihr bestes beim Ernten gab. Rasant schnell, einsame Spitze im Selektieren und immer gut drauf: Ex Azubi Ken, Ruth, Freddy, Chefin Marita, Azubine Selina, Sandra, Mätthi, Felix, Maria, Vani (hinten v.l.n.re im Bild), Dexter, Vali und Thimothy (vorne v.l.n.re) sowie die heute nicht dabei gewesenen Alice, Sophie, Christian, Peter, Charly, die beiden Maries, Moritz, Sebi, Soffel, Marlene, Linda, Jonas, Fabi, Lukas, Hennes, Willem, Uli, Judith, Andrea, Stefan, Andre, Alex, Tom, Margit, Theresa, Niels, Adrian, Ülo und Lisa.

Weinernte 2020: Unzählige Erntehelfer

Unzählige Erntehelfer kamen gestern, um mit uns Riesling in der Reiler Goldlay zu ernten. Zu unserer Stammmannschaft gesellten sich noch viele Freunde als Verstärkung. Tage vorher war die Logistik besprochen worden, da wir nicht auf solch große Traubenmengen eingerichtet sind. Perfekt klappte dann jedoch der Abtransport der Trauben ins Weingut und das Auspressen dieser.

Auch die Versorgung der über 25 Helfer (Ich habe nicht genau gezählt…) war eine Herausforderung, aber der abendliche Umtrunk war dann kein Problem mehr.  Gläser, Korkenzieher und Wein sind in einem Weingut genügend vorhanden. 🙂

Bestes Sonnenwetter und schöne Rieslingtrauben versüßten diesen Großkampftag. Morgen geht es in der Reiler Goldlay weiter. Evtl. wird in einen Weinberg noch selektiv geerntet.

Bislang eine entspannte Weinlese und wir freuen uns auf das gemeldete ruhige, kühle und trockene Herbstwetter. Wir hoffen auf einen weiteren Qualitätsschub.