An einem Morgen auf dem Weg in den Weinberg, um die Reben zu schneiden, staunte ich nicht schlecht. Da hatte doch tatsächlich jemand die Kurve nicht bekommen und war in unserem Weinberg gelandet. Der Endpfosten war umgedrückt und der Erdanker aus sehr stabilem Material deutlich verbogen. Allein der abgerissene, doppelte Spanndraht zwischen Anker und Weinbergpfosten hat eine Bruch- beziehungsweise Zugfestigkeit von 400 bis 600 Kilogramm.
Unweigerlich setzte bei mir das Kopfkino ein – ich fragte mich, wie das Auto nach diesem Aufprall wohl ausgesehen haben musste. Natürlich hatte der Autofahrer keine Visitenkarte am Unfallort hinterlassen. Ich überlegte eine Weile, ob ich die Polizei überhaupt damit belästigen sollte – wohl wissend, dass der Verursacher mit großer Wahrscheinlichkeit ohnehin nicht gefunden würde.
Doch es kam anders. Am nächsten Morgen stieß ich auf folgende Pressemitteilung der Polizei:
„Am Mittwochabend verursachte ein 23-jähriger Autofahrer in Reil an der Mosel einen Unfall, nachdem er vor einer Polizeistreife geflüchtet war. Gegen 21:45 Uhr bemerkte der BMW-Fahrer die Streife in der Kaiserstraße und beschleunigte sofort in Richtung Moselbrücke. Die Polizei nahm die Verfolgung auf. Am Ende der Brücke bog der Mann auf den parallel verlaufenden Radweg ab, verlor jedoch aufgrund überhöhter Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Fahrzeug und kam in einem Weinberg zum Stehen. Dabei wurden das Auto und mehrere Rebstöcke beschädigt, der 23-jähriger Fahrer blieb unverletzt.“
Das vereinfachte die Sache für uns erheblich. Nach einem kurzen Telefonat mit der Polizei konnte ich Kontakt zu dem flüchtigen Autofahrer aufnehmen. Auf meine Frage, ob er bei der Reparatur helfen könne, verneinte er jedoch. Schade eigentlich. Pädagogisch wäre es sehr wertvoll gewesen, einmal selbst zu erleben, wie man einen Stahlpfosten – besonders in diesem Weinberg – mit einer schweren Pfahlramme in den extrem steinigen Boden treibt. Nichts für zarte Gemüter.
Die Schadenregulierung verlief anschließend zumindest in finanzieller Hinsicht problemlos – und bescherte mir einen recht ordentlichen Stundenlohn.

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