Weinernte 2022: Alles im Fluss

Die erst Erntewoche liegt hinter uns. Mit kleiner Mannschaft wurde selektiv geerntet. Wie bei Aschenputtel: die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen auf den Boden.

Etliche Rebstöcke wurden erst gar nicht abgeerntet. Die sommerliche Trockenheit mit Blattfall führte zu starker Bitterkeit, wenig Aroma und sehr geringer Zuckereinlagerung. Für die Weinbereitung sind diese Trauben leider nicht zu gebrauchen.

Jetzt hängen nur noch gesunde Rieslingtrauben in unseren Weinbergen. Bis auf einige kleine Regenschauer hat auch das Wetter bisher gepasst. Nur gestern vertrieb uns ein kräftiger Regenschauer aus dem Weinberg. Ab morgen ist dann bestes, trockenes Erntewetter vorhergesagt.Die Maschinen im Weinkeller laufen mittlerweile auch alle reibungslos. Das ausgefallene Kühlaggregat konnte kurzfristig repariert werden. Das benötigte Ersatzteil war beim Händler auf Lager. Die Reparatur der Pressmembran der Weinpresse wurde auch noch nebenbei erledigt, nachdem ein Druckabfall beim Pressen festgestellt wurde. Die Suche nach dem Loch in der Membran gestaltete sich etwas schwieriger …

Weinernte 2022: Wetterwechsel

Ein kräftiger Wetterwechsel mit ausgiebigen Regenfällen hat die extreme Trockenheit beendet. Die Begrünungen und die Reben profitieren davon. Während die Weinbergsbegrünung, wie der Name schon sagt, wieder ergrünt, sehen die Reben erfrischt aus. Anfängliche Befürchtungen, dass die Trauben sich durch die Niederschläge mit Wasser vollsaugen und aufplatzen, haben sich bisher nicht bestätigt.

Fäulnis an den Rieslingtrauben ist selten zu sehen. Die Trauben sind ausnahmslos sehr gesund. Der Beereninhalt wird so langsam saftig und die Pressausbeute wird zunehmen. Die analytischen Eckdaten sind auch in Ordnung. Das für die nächsten Tage gemeldete Wetter mit kühlen Nächten ist ideal, um Fruchtaromen in der Traube einzulagern. Der Riesling als „cool climate“ Pflanze braucht diese kühlen Nächte, um sein volles Aromenspektrum zu bilden.Die Vorbereitungen für die Weinernte sind fast abgeschlossen. Im Weinkeller kann man vom „Boden essen“, die Holzfässer liegen mittlerweile in Reih und Glied und in den Edelstahltanks kann man sich spiegeln. Die Erntehelfer sind informiert, erntefreundliches Wetter ist bestellt und dann kann die Weinernte 2022 starten.

Erntebeginn ist am Montag, dem 26. September um 9,00 Uhr!

Tank, Pumpe, Filter, Filter, Füllmaschine

Wir haben in den letzten Tagen unsere 2021er Rieslingweine abgefüllt.

Das ganze stellt man sich einfach vor. Ist es aber nicht. Neben der Hygiene beim Abfüllen, der ganzen Organisation und Materialbeschaffung ist die Weinabfüllung ein komplexer Vorgang. Es ist nicht nur den Wein in die Abfüllmaschine zu pumpen und dann zu füllen. „Lebensmittelsicherheit“ und vor allem die Qualitätssicherung sind wichtige Parameter, die beachtet werden müssen.

Ich habe kurzerhand mit dem Handy ein kleines Video gedreht, wie der Wein vom Abfülltank den Weg in die Abfüllmaschine findet. Den Abfüllvorgang in der Füllmaschine zeigt dieses Video.

Kieselgurfiltration?

In den letzten Tagen wurde der junge Wein filtriert. Auf meinen Blogeintrag im letzten Jahr wurde ich von einem Leser darauf angesprochen: Wie geht das überhaupt mit der Kieselgurfiltration? Wie funktioniert das? Im Internet gibt es keine so richtige/ausführliche/einfache Erklärung dieser Filtrationsmethode.

Also hier der Erklärungsversuch:

Wesentliches Bestandteil des Kieselgurfilters sind die Filtrationsscheiben (-siebe) mit einem feinmaschigen Edelstahlsieb auf der Oberseite. Diese Scheiben werden abwechselnd mit einer Distanzstück (schwarz im Bild) von unserer Azubine auf einer Hohlwelle gestapelt.

Auf die gestapelten Filtrationsscheiben kommt die Filterglocke (7). Der trübe Wein wird durch die Pumpe (14) in die Filtrationsglocke gepumpt, fließt durch das Sieb in die Hohlwelle, um von dort als blanker Wein nach außen zu fließen.

Damit ein Filtrationseffekt stattfinden kann, werden als Filtrationshilfsmittel Kieselgur (Kieselalgenschalen), Perlite (vulkanisches Gestein) und Cellulose verwendet. Diese sind für den Lebensmittelbereich entsprechend aufbereitet und es gibt sie in verschiedenen Feinheitsgraden, um die Klärschärfe bei der Weinfiltration bestimmen zu können. Diese Stoffe werden auch untereinander nach Bedarf für die Klärung gemischt.

Zu Beginn der Filtration wird der Wein innerhalb des Filters rund gepumpt. Durch eine spezielle Dosierpumpe (12) werden die Filtrationshilfsmittel (im Behälter der Dosierpumpe liegt eine Mischung von Wein und Filtrationshilfmittel vor) in den Flüssigkeitsstrom eingemischt. Der so mit Kieselgur beladene Wein wird über die feinen Siebplatten geführt, wo sich die Kieselgur anlagert und zu einer Schicht wird. Darin bleiben alle Trubstoffe hängen.

Sobald der Wein klar durch den Filter läuft, wird nicht mehr im Kreislauf innerhalb des Filters filtriert. Der Wein fließt nun filtriert in ein neues Fass. Da die Filtrationsschicht auf den Siebplatten nach kürzester Zeit durch die Trubstoffe verstopfen würde, werden während der Filtration durch die Dosierpumpe laufend frische Filtrationshilfsmittel dazu dosiert und das Sieb erneuert sich laufend.

Die Nummern 2, 5, 9 und 11 obiger Zeichnung sind Mess- und Regeleinrichtungen, Nr. 7,12 und 14 Filterbestandteile, der Rest Regel- und Absperrventile, die im richtigen Moment in der richtigen Weise betätigt werden müssen. Sieht in der Detailzeichnung der Betriebsanleitung kompliziert aus. Ist es auch, zumindest wenn man es der Azubine beibringen muss…

https://steffens-kess.de/cms1/wp-content/uploads/2021/02/2021-02-11-Kieselgurfilter.jpg

Hier noch einmal eine Detailansicht mit neun Regelventilen.

Nach Beendigung der Filtration sieht man auf den Siebplatten die abgelagerten Filtrationshilfmittel mit den Trubstoffen (Hefen u.a.). Sie werden im Weinberg landbaulich verwertet.

Warum filtriert wird, können Sie hier nachlesen.

Noch Fragen? Gerne beantworte ich sie per Kommentarfunktion oder per Mail.

Analyse

Wie immer wurden zum Jahreswechsel Proben der neuen Rieslingweine und heute zum Weinlabor gebracht. Neben der chemischen Analyse wird unser Wein auch der viel wichtigeren sensorischen Analyse unterzogen. Bei dieser ersten Verkostung, die von neutralen, betriebsfremden Verkostern im Labor durchgeführt wird, geht es vor allen Dingen um die grobe Beurteilung der Qualität.

Die genaue qualitative Beurteilung erfolgt später durch das Steffens-Keß Verkosterteam.

Neben den wichtigen Inhaltsstoffen  Alkohol, Restzucker, Säure und – ganz wichtig – dem pH-Wert, werden weitere chemische Parameter erfasst. Eigentlich braucht man die meisten Analysedaten nicht. Sie sind größtenteils relevant für gesetzliche Vorgaben. Den Geschmack des Weines kann man aus der Analyse bestenfalls orakeln, aber nicht ersehen.

Nur im Kontext mit der sensorischen Probe haben diese Analysedaten eine Aussagekraft. Ich freue mich schon darauf, diesen Kontext nach Erhalt der chemischen Analysen mit der sensorischen Probe zu erforschen.

Abstich

Die ersten hefetrüben Jungweine wurden grob von der Hefe getrennt. Der Bodensatz im Fass, allgemein als Hefe bezeichnet, besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden und könnten evtl. zu mikrobiologischen und/oder geschmacklichen Problemen führen.

Nach dem Grobabstich verbleibt noch genügend Hefe im Wein. Die jungen Weine können noch von den positiven Geschmacksstoffen der Hefen profitieren.

Apropos Weinstein! In der Regel setzt sich dieser an den Behälterwandungen als gröbere Kristalle ab.

Und ab und zu gibt es auch richtig schöne Kristallformationen vom Weinstein. Wird als Küfergold bezeichnet. Ich berichtete – auch mit schönen Fotos – schon einmal über das Küfergold.

Natürlich wurde auch probiert. Wir können sehr zufrieden sein. Die kühleren Nächte während der Reifephase haben zu einer sehr guten Aromaausprägung geführt. Die noch hefetrüben Rieslinge machen schon viel Spaß. Würzige, frische Fruchtaromatik und die typische Leichtigkeit des Moselweines.

blubbern

Im Weinkeller ist noch zartes blubbern zu hören. Die Rieslingweine sind fast vergoren.

Im Herbst schmeckten die Trauben, die ersten gärenden Moste und die analytischen Daten stimmten.  Jetzt die nahtlose Fortsetzung! Wir freuen uns über die Qualität der Jungweine beim Probieren, die sich im Herbst und während der Hauptgärung der Weine ankündigte.

Weinernte 2021: Das mit dem weniger

Mit der Qualität der 2021er Rieslinge sind wir sehr zufrieden, wie ich hier schrieb. Das Menge-Güte-Gesetz spielte dieses Jahr eine starke Rolle: Je weniger Trauben in einem Weinberg geerntet werden, desto besser ist später der Wein. Die Trauben erreichten dieses Jahr trotz der kühlen Reifephase eine hohe Reife. Es hingen wenige Trauben an den Rebstöcken in denen sich die von den Blättern kommenden Nähr- und Aromastoffe konzentrieren konnten.

Wenige Weinberge, die keinen Schaden durch die Pilzkrankheiten hatten, hatten einen Normalertrag.

Desaströs der Anblick in den von Peronospora und Schwarzfäule betroffenen Weinbergen. Einige wenige gesunde Trauben, viele teilgeschädige oder gänzlich vernichtete Trauben. Mittig eine mit Schwarzfäule befallene Traube, rechts ein Totalschaden durch Peronospora.

Das erste Jahr in neununddreißig Jahren ökologischem Weinbau, in dem wir massive Ertragseinbußen haben. Dass der eine oder andere Weinberg durch Frostschaden, Sonnenbrand, Pilzkrankheiten oder ähnliches Schaden nimmt, ist für uns normal. Solche Mindererträge wie in diesem Jahr hatten wir bisher noch nie gehabt. Etwas mehr wie eine halbe normale Ernte liegt im Weinkeller.

Für die Statistik:

In Deutschland gab es trotz großer Schäden in vielen Weinbergen ein plus von ca. 3 % gegenüber einer normalen Ernte. Reichlich Trauben in den gesunden Weinbergen führten zu diesem Plus. Auch hier sehr große Unterschiede zwischen den Dt. Anbaugebieten. Z. B.  liegt der Minderertrag in Baden bei – 21 %.

In Italien 9 % weniger, in Spanien -15 % und in Frankreich ein historisches Minus von 27 %. EU-weit liegt die Erntemenge bei ca. -3 %. Weltweit wird die Weinernte mit – 7 % gegenüber einer Normalernte geschätzt.