Stolperfallen

Beim Rebschnitt finden wir täglich frische Spuren in unseren Weinbergsbegrünungen. Auf der Suche nach tierischem Eiweiß, wie etwa Engerlingen, anderen Larven und Würmern, durchwühlen Wildschweine den Erdboden systematisch. Unsere Ökoweinberge sind besonders beliebt. Durch die ökologische Bewirtschaftung ist der Humusgehalt hoch und viele Larven und Würmer finden sich im Boden, die den Schweinen schmecken.

Bisher waren die Wühlschäden der Wildschweine noch im erträglichen. In diesem Winter hat die Wühltätigkeit massiv zugenommen. Man muss aufpassen, dass man nicht in die gewühlten Stolperfallen tritt und sich verletzt. Zusatzarbeit im Frühjahr. Die Bodenverwerfungen müssen in einem extra Arbeitsgang mit der Kreiselegge geglättet werden, damit der Kettenschlepper ohne großartiges Geschaukel fahren kann.

Die Wildschweinpopulation ist seit Jahren am Steigen. Ursachen sind Veränderungen in der Landwirtschaft. Erhöhter Maisanbau oder die Verbuschung nicht mehr genutzter Land- bzw. Weinbaufläche, die mehr Rückzugsräume für die Tiere schafft. Auch die Klimaänderung ist neben weiteren Faktoren dafür verantwortlich.  Coronabedingt waren zudem weniger Jäger unterwegs oder konnten aus dem benachbarten Ausland nicht einreisen. Die Bejagung, die das ökologische Gleichgewicht herstellen soll, war daher nicht intensiv genug.

Ich denke, dass ich beim Jäger mal wieder ein Reiler Goldlayschwein bestellen muss. Diese Spezies habe ich lieber im Backofen als im Weinberg.

Analyse

Wie immer wurden zum Jahreswechsel Proben der neuen Rieslingweine und heute zum Weinlabor gebracht. Neben der chemischen Analyse wird unser Wein auch der viel wichtigeren sensorischen Analyse unterzogen. Bei dieser ersten Verkostung, die von neutralen, betriebsfremden Verkostern im Labor durchgeführt wird, geht es vor allen Dingen um die grobe Beurteilung der Qualität.

Die genaue qualitative Beurteilung erfolgt später durch das Steffens-Keß Verkosterteam.

Neben den wichtigen Inhaltsstoffen  Alkohol, Restzucker, Säure und – ganz wichtig – dem pH-Wert, werden weitere chemische Parameter erfasst. Eigentlich braucht man die meisten Analysedaten nicht. Sie sind größtenteils relevant für gesetzliche Vorgaben. Den Geschmack des Weines kann man aus der Analyse bestenfalls orakeln, aber nicht ersehen.

Nur im Kontext mit der sensorischen Probe haben diese Analysedaten eine Aussagekraft. Ich freue mich schon darauf, diesen Kontext nach Erhalt der chemischen Analysen mit der sensorischen Probe zu erforschen.

Abstich

Die ersten hefetrüben Jungweine wurden grob von der Hefe getrennt. Der Bodensatz im Fass, allgemein als Hefe bezeichnet, besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden und könnten evtl. zu mikrobiologischen und/oder geschmacklichen Problemen führen.

Nach dem Grobabstich verbleibt noch genügend Hefe im Wein. Die jungen Weine können noch von den positiven Geschmacksstoffen der Hefen profitieren.

Apropos Weinstein! In der Regel setzt sich dieser an den Behälterwandungen als gröbere Kristalle ab.

Und ab und zu gibt es auch richtig schöne Kristallformationen vom Weinstein. Wird als Küfergold bezeichnet. Ich berichtete – auch mit schönen Fotos – schon einmal über das Küfergold.

Natürlich wurde auch probiert. Wir können sehr zufrieden sein. Die kühleren Nächte während der Reifephase haben zu einer sehr guten Aromaausprägung geführt. Die noch hefetrüben Rieslinge machen schon viel Spaß. Würzige, frische Fruchtaromatik und die typische Leichtigkeit des Moselweines.

gebauchpinselt

Man fühlt man sich richtig gebauchpinselt, wenn im Sommer und Spätjahr die Urkunden der Verkostungswettbewerbe eintreffen. Punkte und Sternchen werden vergeben, mal mehr, mal weniger. Jeder Veranstalter eines Weinwettbewerbes meint, dass seine Beurteilung das Non plus Ultra ist und er die Meinungsführerschaft besitzt. Da bin ich anderer Meinung, wie Sie hier im Blog, „Die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß“ schon des Öfteren lesen konnten. Meinungsführerschaft hat der Verbraucher. Er muss den Wein ja trinken! 🙂

Wir freuen wir uns trotzdem, von verschiedenen Weinführern seit Jahren zu den besten Weingütern Deutschlands gezählt zu werden. Abseits von Punkten und Sternchen gibt es weitaus mehr. Weitaus besser gefallen mir – nicht immer – die Kommentare zu den Weinen. Während der eine Verkoster noch das Haar in der Suppe finden will und entsprechend abwertendes oder gar beleidigendes schreibt, kann man bei anderen lobende Worte lesen.

Gerhard Eichelmann vom gleichnamigen Weinführer fand dieses Jahr sehr schöne Worte für unseren Basisriesling in der Literflasche: „Wunderbar klar und saftig kommt der trockene Literwein daher – sicher einer der besten trockenen Weine dieser Art an der Mosel.“ Das hat uns natürlich sehr gut gefallen. Eine Aussage, die mehr wert ist als viele Pünktchen. Eine Aussage, die unsere Arbeit im Weinberg und Keller, insbesondere bei unserem „kleinsten Wein“ würdigt!