„Es regnet gerne, wo es schon nass ist“

„Es regnet gerne, wo es schon nass ist.“ besagt ein althergebrachtes Sprichwort.

Ein übler Nebeneffekt der Regenfälle, die zum sehr hohen Moselhochwasser vor zwei Wochen geführt hatten, sehen wir seit einigen Tagen im Weinberg. Zur Peronospora hat sich noch die Schwarzfäule gesellt. Viele Beeren sind befallen. Diese trocknen jetzt ein und fehlen bei der Weinernte.

Ein anstrengendes Weinjahr! Die Infektionen mit dem falschen Mehltau vor vier Wochen hatten wir glimpflich überstanden. Nun ein massiverer Befall durch diesen Pilz, der aus Nordamerika stammt und erst seit 2004 eine wesentliche Rebkrankheit darstellt.

Nach der Rebblüte hatte alles sehr gut ausgesehen. Es sah mengenmäßig nach einer guten Ernte aus. Wir werden allerdings Abstriche machen müssen. Wie groß diese sind weiß ich noch nicht. Es sind noch einige Wochen bis dahin. Es kann noch viel passieren oder gar nichts. Ich ziehe das „gar nichts“ vor und bitte keinen Regen mehr!

#solidAHRität

Für die betroffenen Opfer des Hochwassers in der Eifel und an der Ahr gibt es viele Hilfsangebote und Spendenaufrufe. Seit Tagen helfen neben THW, Feuerwehren aus ganz Rheinlands-Pfalz, Landwirte und Bauunternehmer mit ihren Maschinen und viele freiwillige Helfer zum Aufräumen und Schlammschippen in der Katastrophenregion.

Viele Winzer aus allen deutschen Weinbauregionen sind vor Ort, um den Kollegen von der Ahr bei der Weinbergsarbeit zu helfen.

Bemerkenswert ist die Spendenaktion die von Dirk Würtz, Weingut St. Antony in Nierstein, ins Leben gerufen wurde.

„Unsere Kolleg*innen an der Ahr hat das Hochwasser in unvorstellbarem Maße getroffen. Manche haben tatsächlich ihre gesamten Betriebe mitsamt den Maschinen und den Weinen verloren. Aus diesem Grund haben wir mit zahlreichen Winzerkolleg*innen und Weinhändler*innen eine Hilfsaktion gestartet. Im „SOLIDA(H)RITÄT Paket” sind sechs Flaschen, allesamt von den Winzer*innen und Weinhändler*innen gespendet, aus allen möglichen Anbaugebieten, sogar aus Südtirol und Österreich. Freuen Sie sich auf ein spannendes Überraschungspaket dessen gesamter Erlös über den Verein „Der Adler hilft e.V.“ allen betroffenen Kolleg*innen an der Ahr zugutekommt.“

In kürzester Zeit wurden von deutschen, österreichischen, italienischen und sogar griechischen Winzern palettenweise Wein für diese Aktion gespendet! Speditionen transportierten die Weine kostenfrei zum Weingut Antony. Kartonhersteller und Händler spendeten jede Menge Versandkartons und ein Teil der Versandkosten wurden vom Deutschen Weininstitut übernommen.
Binnen zwei Tagen (!!!!!!) wurden unglaubliche 10 000 (In Worten: zehntausend) Pakete verkauft!

Die Pakete sollen bis kommenden Dienstag gepackt und verschickt sein. Anfang übernächster Woche soll es in die nächste Runde gehen und dann kann das Unterstützungspaket wieder bestellt werden.

Für Bestellungen aus Deutschland bitte hier klicken.

Für Bestellungen aus Österreich bitte hier klicken.

So geht #solidAHRität

Spendenkonto: Der VDP.Adler hilft e.V.
Rheingauer Volksbank
IBAN: DE 21 510915000000204528
BIC: GENODE51RGG
Betreff: Solidarität Ahr Weinbau

Update, Sonntag, den 01. August:

Nachdem die erste Welle der Unterstützungsaktion abgewickelt wurde und ein neues Logistikzentrum bezogen wurde, ist ab sofort das Unterstützungspaket wieder bestellbar!

Für Bestellungen aus Deutschland bitte hier klicken.

Für Bestellungen aus Österreich bitte hier klicken.

 

Update, Dienstag, den 03. August:

„Ein neuerliches update in Sachen SOLIDA(H)RITÄT Pakete: Wir haben in den letzten zwei Tagen wieder um die 10.000 Pakete verkauft. Was ein Hammer – Ihr seid die Allerbesten!!! Wir haben aber auch noch einmal locker die gleiche Menge Wein in Bodenheim in der Halle stehen… Bleibt dran, kauft, teilt und helft mit, dass wir den Kollegen an der Ahr so viel Geld wie irgendwie möglich geben können. Jeder Euro zählt!“
Dirk Würtz, Initiator SOLIDA(H)RITÄT Paket, auf Facebook

1012 cm!

1012 cm Höchststand 16. Juli am Pegel Zeltingen! Ein außergewöhnliches, bisher nie dagewesenes Sommerhochwasser. Binnen kurzer Zeit extrem schnell angestiegen und auch wieder schnell gefallen.  Der Keller ist schon sauber und wieder am Trocknen.

Für uns an der Mosel, am großen Fluss, handhabbar. Wir wissen etliche Stunden, vielleicht auch Tage vorher, wenn die Mosel über das Ufer tritt. Jedoch bei den kleinen Flüssen oder Bächen geht es sehr schnell.

In der Eifel ist die Welt untergegangen. Eine Katastrophe mit apokalyptischem Ausmaß. Schwerpunkt ist die Ahr. Erschütternde Bilder und Berichte gehen durch die Medien. Häuser und Brücken weggespült, die Infrastruktur zerstört und leider viele Tote.

Wir sind mit unseren Gedanken bei den Opfern der Hochwasserkatastrophe und wünschen allen Betroffenen viel Kraft!

Die Winzer sind dort in Ihrer Existenz betroffen. „Innerhalb von 5 Minuten wurde unsere Halle von den Wassermassen geflutet“ so ein Kollege. Keine Zeit sich auf das Wasser vorzubereiten, wie wir es an der Mosel können. Nur noch weglaufen vor den Fluten…  Hilfsaktionen von Winzern aus anderen Weinbaugebieten sind gestartet.

Folgen einige Bilder und ein Video mit Impressionen vom Moselhochwasser: Wenn die ersten Hochwasserwarnmeldungen eintreffen, wird aus dem Keller alles entfernt was schwimmen kann oder durch das Wasser beschädigt wird. Die Fässer werden mit Wasser befüllt und mit Zurrgurten am Fasslager fixiert. Dann steht der halbe Weinkeller, bzw. die Maschinen auf höherer Ebene auf der Straße oder im Hof. (Weingut Melsheimer)

Die Moselstraße unter Wasser. Noch 1,50m bis zum Höchststand.

Unsere untere Zufahrt ist vom Wasser blockiert.Extrem viel Müll und Unrat kam die Mosel hinab geschwommen. Der plötzliche Anstieg der kleinen Bäche und Flüsschen in der Eifel hat vieles mitgerissen und in die Mosel geschwemmt. Ein blauer Container – ja, Sie haben richtig gelesen, ein großer Seecontainer – war das auffälligste Treibgut.Ufernahe Weinberge standen im Wasser und die Ernte dürfte Schaden nehmen.

Beim Höchststand der Mosel waren die Anglerstiefel etwas zu kurz und so wurde mit dem Boot eine Kontrollfahrt durch den Keller gemacht.df hjhjMit sinkender Mosel muss der hinterbliebene Schlamm mit viel Wasser weggespült werden.

Am Donnerstagmorgen, den 15. Juli kam die Mosel in den Keller, gegen Mitternacht wurde der Höchststand erreicht. Am Tag danach konnte Mittags mit dem Säubern begonnen werden. Gestern Morgen, Samstag, der 17. Juli war alles sauber. Wir sind wieder betriebsbereit.

900 cm, mindestens..

Weltuntergangsstimmung beim Blick auf die Regenmesser. Beide, das stylische Teil und das Werbegeschenk aus Plastik, laufen über. Nach drei sehr trockenen Jahren ist es dieses Jahr anders rum. Gewaltig anders! Seit Mai sind bis gestern 265 Liter Regen je qm gefallen. Im Vergleich dazu von Mai bis Juli 2020 nur 43 Liter.

Gestern Morgen noch eine Anfrage von Fernsehen gehabt, es soll doch Hochwasser kommen, wir möchten drehen kommen. Ich verneinte die Hochwassergefahr. Nachmittags wurde ich des besseren belehrt, als die erste Warnmeldung kam, die vor 8 Meter Pegelstand warnte. Heute haben wir erste Vorbereitungen im Weinkeller getroffen.

Die Sache mit der Decke scheidet leider aus. Es ist ein Pegelstand von über 900 cm, Tendenz steigend, für morgen Nachmittag gemeldet. Wir müssen die Mosel in den Keller lassen. Morgen wird der Weinkeller Hochwasserfest gemacht. Wir sind geübt, allerdings ist ein Sommerhochwasser in dieser Höhe im Juli noch nicht da gewesen. Die Klimaänderung lässt grüßen!

Zunehmend bereiten mir die Pilzkrankheiten im Weinberg Sorgen. Große Sorgen. Weitere Infektionen durch den echten und falschen Mehltau sind bei diesem Dauerregen vorprogrammiert.

Zum Nachlesen hier weitere Blogeinträge über das Hochwasser.

Spuren

Das rasante Rebwachstum hat im Weinberg seine Spuren hinterlassen. Der heimtückische Peronosporapilz hat bei uns zugeschlagen. Seit letzter Woche sieht man auf der Blattoberseite vereinzelt den sogenannten Ölfleck, eine gelbliche Aufhellung.

Auf der Blattunterseite dann der Pilzrasen, von dem weitere Infektionen ausgehen. Insgesamt sind bisher zum Glück noch wenige Blätter befallen.

Aber es finden sich im Rebstock leider auch einige befallene Trauben. Ursache für den diesjährigen Pilzbefall ist das wahnsinnig schnelle Rebwachstum. Binnen weniger Tage wurden die Wirkstoffe, die gegen die Peronospora helfen, durch das Wachstum dermaßen verdünnt, dass sie keinerlei Wirksamkeit mehr entfalten konnten. In den „Peronosporajahren“ 2016 und 2009 lagen die Gründe für den Pilzbefall dagegen vor allem im dauerhaft feuchtem und regnerischen Wetter.

In jedem Jahr müssen die Reben in den Sommermonaten durchgehend gegen Pilzkrankheiten (Peronospora, Mehltau und Schwarzfäule) geschützt werden. Gegen diese aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten haben die europäischen Reben keine Abwehrmaßnahmen. Wetterbeobachtungen, Prognosemodelle und biotechnische Maßnahmen im Weinberg helfen uns bei der Bekämpfung.

Bis jetzt haben wir dieses Jahr Glück gehabt. Auf der anderen Moselseite, in der nächsten Gemeinde, an jeder anderen Windung der Mosel sieht es ganz anders aus. Kleinste Unterschiede entscheiden darüber, ob Weinberge von den Pilzen befallen werden: ein wenig kälter oder wärmer, ein trocknendes Lüftchen, die Ausrichtung zur Sonne, oben oder unten im Moseltal, ein Quäntchen mehr oder weniger Regen, bzw.  Luftfeuchtigkeit, Blütezeit und der Zeitpunkt der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln durch den Winzer. Insgesamt ist es eine Gratwanderung, auf die wir nur begrenzten Einfluss haben.