Weinernte 2021: Reifefortschritt

Die Erntevorbereitungen sind weitestgehend abgeschlossen. Weinkeller, Tanks, Holzfässer und alle Gerätschaften sind gründlich gesäubert. Die Weinpresse wurde einem Funktionstest unterworfen und die Erntehelfer sind bereit. Wir stehen in den Startlöchern für die Weinernte 2021.

Dank des trockenen Wetters sind die verbliebenen Rieslingtrauben noch sehr gesund und können weiter reifen. Der Reifefortschritt ist gut. Der Geschmack der Trauben nimmt mit jeden Tag zu, der Zuckergehalt steigt und die Traubensäuren werden weniger. Die ersten Rebblätter verfärben sich jetzt ins herbstliche Gelb, Seneszenz genannt. Der Alterungsprozess der Rebblätter, der ganz wichtig ist für die sogenannte physiologische Traubenreife oder auch Aromareife genannt!

Zum Nachlesen hier ein älterer Blogeintrag zum Thema Senszenz.

Die Wetteraussichten sind hervorragend und sehr winzerfreundlich. Es wird spannend und wir freuen uns auf die Weinernte.

Weinernte 2021: Mal mehr, mal weniger

Wir sind bei den ersten Vorbereitungen für die Weinernte. Es wird eine späte Weinernte geben. In den letzten Jahren begannen wir Klimawandel bedingt meistens in der ersten Oktoberwoche mit der Ernte. Dieses Jahr war es eher ein kühler Sommer, von den wenigen heißen Tagen im Juni einmal abgesehen. Der Vegetationsrückstand gegenüber den letzten Jahren war groß. Der bisher warme September hat die Reife der Rieslingtrauben beschleunigt und die weiteren Wetterprognosen sind positiv. Kühle Nächte und warme Tage sind sehr förderlich für das Rieslingaroma!

Ich hatte schon im Juni den Erntebeginn auf den 11. Oktober terminiert. Da meine hellseherischen Fähigkeiten doch etwas begrenzt sind, muss ich etwas korrigieren:

Erntebeginn ist am Samstag, dem 16. Oktober um 9,00 Uhr! Sollte jedoch Fäulnis auftreten, stehen eine Woche vorher schon Lesehelfer bereit um mit der selektiven Ernte zu beginnen.

Bedingt durch den Klimawandel werden wir dieses Jahr federn lassen müssen. Kräftig! Die extremen, bisher nie dagewesenen massiven Niederschläge im Sommer, haben Ihre Spuren in den Weinbergen hinterlassen. Teilweise massiver Befall mit Peronospora und Schwarzfäule haben die Trauben dezimiert. Mal mehr, mal weniger. Leider ist das weniger sehr häufig im Weinberg zu sehen. Wir rechnen mit einer weit unterdurchschnittlichen Erntemenge.

Ungerecht verteilt

In diesem Jahr ist alles ungerecht verteilt. Nördlich der Alpen ergiebigste Niederschläge, Hochwasserkatastrophen und viele Infektionen mit dem Peronospora- und Schwarzfäulepilz mit entsprechenden Ernteverlusten. Wenigstens sind die Grundwasservorräte aufgefüllt!

Südlich der Alpen das Gegenteil. Bei einem Besuch bei Maurizio von der Cantina Wilma in den Abruzzen, sah man schon von weitem, dass dort starker Wassermangel herrschte. Am Himmel kreiste ein Löschflugzeug

Seit Mai hatte es dort nicht mehr geregnet. Die extreme Hitzewelle im August mit weit über 40 Grad Hitze, hatte den Reben stark zugesetzt.

Das Wachstum der Rebtriebe extrem verhalten, die Rebblätter von der Sonne abgewendet und im welkezustand. Die Trauben, weiß (Verdicchio) wie rot (Montepulciano), vom Wassermangel gekennzeichnet und mit kleinen Beerchen.

Im am Weinberg grenzenden Olivenhain, sah es nicht besser aus. Auf meine Frage hin, wo denn die Oliven sind, kommentierte Maurizio mit einem Fingerzeig gen Himmel: „Aqua!“ Durch Wassermangel hatten die Bäume ihre Früchte abgeworfen, um selbst zu überleben. Die wenigen an den Bäumen verbliebenen Oliven hatten eine mickrige Größe.

Vinaera

Bei Rotweinen ist es eine bekannte Notwendigkeit, diese vor Genuss gegebenenfalls zu belüften. Insbesondere junge, noch nicht trinkreife Weine können durch diesen Vorgang an Geschmack gewinnen und mehr Genuss bieten.

Durch den Kontakt mit dem Sauerstoff der Luft verbessert sie die Aromatik und auch das Bouquet profitiert deutlich von dem Vorgang. Gerade bei jungen Weinen sind die Tannine, die in allen roten Rebsorten in unterschiedlichen Größen enthalten sind, noch nicht polymerisiert (vereinfacht gesagt: oxidiert). Der Sauerstoff oxidiert die Tannine, was zu einem weicheren und abgerundeten Trinkgenuss führt.

Für eine große Kontaktfläche zwischen Wein und Sauerstoff sorgt z.B. ein Dekanter. Dabei handelt es sich um Gefäße mit einem sehr großen Bauch. Der Wein verteilt sich also auf einer großen Oberfläche, die direkt mit dem Sauerstoff in Berührung kommt. Wichtig ist, dass man dem Wein Zeit zum Atmen einräumt. Je nach Erzeugnis sollte über eine Stunde im Dekanter eingeplant werden. Alternativ, als einfachste Variante, kann ein großes Weinglas genommen werden. Durch Schwenken des Weines in diesem wird die Sauerstoffaufnahme verbessert.

Der Durchmesser des Weinglases, die Drehgeschwindigkeit und die dann wirkenden Fliehkräfte sind wichtig. Eine mathematische Formel gibt es auch dazu. Dies kann man einer wissenschaftlichen Studie aus der Schweiz entnehmen. Folgend das Video zur Studie nebst mathematischer Formel:

Bevor ich es vergesse, bei unserem Riesling – braucht im Jugendstadium auch etwas Sauerstoff! – rechtsrum schwenken, so ca. drei Meter pro Sekunde, sagt eine andere Quelle. Die verlinke ich jedoch nicht, da diese doch etwas dubios wirkt.

Um schneller die Rotweine oxidieren zu lassen, also die Sauerstoffaufnahme zu beschleunigen, gibt es noch weitere technische Hilfsmittel, z. B. Ausgießer, die beim Einschenken dem Wein zusätzlich Luft zufügen.

Ein besonderes Gagdet ist der Vinaera Pro eine spezielle Zapfapparatur für Wein. Der Vinaera wurde mir von Florian Pejchar, CLC Trading, Moers, zur Verfügung gestellt, mit der bitte ihn auszuprobieren und gegebenenfalls darüber zu berichten. (unbezahlte Werbung!)

Die wertig anmutende Spezialpumpe wird auf die Weinflasche aufgesetzt, mittels teleskopierbarem Saugrohr wird der Wein angesaugt. Vor der Pumpe ist eine regulierbare Venturidüse, die Luftsauerstoff zuführt. Eine Venturidüse ist eine Verengung in einem Rohr. Dort entsteht ein Unterdruck und mittel regulierbaren Ventil kann Luft eingesaugt werden. So meine eigene, einfache Erklärung. Wer es genauer wissen möchte, kann hier nachlesen.

Wir haben dieses Gerät mit etlichen, verschiedenen Rotweinen ausprobiert. Funktioniert sehr gut. Etwas problematisch ist die Einstellung der Luftzufuhr. Etwas zu viel und der Wein wird ziemlich rabiat überoxidiert. Mit etwas Übung kann die Luftzufuhr korrekt eingestellt werden.

Praktisch, dachten wir beim Testen. Man braucht die Flasche nicht in die Hand zu nehmen. Knopf drücken und das Weinglas füllt sich. Ist sicherlich auch beim Weißwein zu gebrauchen. Die Flasche bleibt im Weinkühler stehen und wird nicht vom in die Hand nehmen erwärmt, so der Grundgedanke. Also ausprobiert.

Das Ergebnis war überhaupt nicht gut. Durch den strapaziösen Eingriff aufgrund des Bewegens/Pumpens, verschließt sich der Wein eingeschränkt im Geschmack und seiner Aromafülle. Also nur für Rotwein zu empfehlen.

Beim Ausprobieren wurde es etwas später und die Dunkelheit der Nacht kam. Erst da fiel uns auf, dass im Vinerea ein „Flutlicht“ integriert ist, das in der Dämmerung hilft, das Weinglas sicher zu befüllen! Führte zur allgemeinen Heiterkeit bei den Mittrinkern.🙂

Mehr Information über den Vinaera Pro finden Sie auf der Homepage des Herstellers.

„Es regnet gerne, wo es schon nass ist“

„Es regnet gerne, wo es schon nass ist.“ besagt ein althergebrachtes Sprichwort.

Ein übler Nebeneffekt der Regenfälle, die zum sehr hohen Moselhochwasser vor zwei Wochen geführt hatten, sehen wir seit einigen Tagen im Weinberg. Zur Peronospora hat sich noch die Schwarzfäule gesellt. Viele Beeren sind befallen. Diese trocknen jetzt ein und fehlen bei der Weinernte.

Ein anstrengendes Weinjahr! Die Infektionen mit dem falschen Mehltau vor vier Wochen hatten wir glimpflich überstanden. Nun ein massiverer Befall durch diesen Pilz, der aus Nordamerika stammt und erst seit 2004 eine wesentliche Rebkrankheit darstellt.

Nach der Rebblüte hatte alles sehr gut ausgesehen. Es sah mengenmäßig nach einer guten Ernte aus. Wir werden allerdings Abstriche machen müssen. Wie groß diese sind weiß ich noch nicht. Es sind noch einige Wochen bis dahin. Es kann noch viel passieren oder gar nichts. Ich ziehe das „gar nichts“ vor und bitte keinen Regen mehr!