„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ schrieb Hermann Hesse in einem Gedicht. Auch für uns Winzer hat der Beginn des Rebwachstums immer noch etwas Zauberhaftes in sich.

Die Knospen der Reben sind angeschwollen. In den guten Lagen entfalten sich die ersten Blättchen. Nicht zu früh und nicht zu spät fängt das Wachstum an. Auf jeden Fall zügig und das ist gut so! Fraßschädlinge wie der Rhombenspanner, über den ich hier berichtete, haben keine Chance, längere Zeit an den geschwollenen Knospen zu fressen. Die Reben wachsen ihm aus dem Maul, wie der Winzer sagt.

Wir sind gespannt, was uns die kommende Vegetationsperiode bringt. Dürre oder Dauerregen mit nie dagewesenem Hochwasser und Pilzbefall wie im letzten Jahr, oder vielleicht doch ein normaler Sommer ohne Wetterextreme wie in den vergangenen Jahren.

Wünsche an das Wetter hätten wir genug.

Frühstückswein

Der Morgentrunk, später reduziert auf den Frühschoppen: Ernährungsgewohnheiten, die uns heute befremdlich vorkommen. Im edlen Metropolitan Hotel in New York 1859 als Frühstückswein im Angebot. (Auf das Bild klicken, um die ganze Frühstückskarte zu sehen). Aber auch der einfache Mensch startete durchaus mit Wein in den Tag:

„Zum ersten Frühstück wurde Malzkaffee oder Milch getrunken, bei den Männern häufig Wein… Zum zweiten Frühstück und zu allen übrigen Mahlzeiten, auch zur Jause trank man ebenfalls Wein. Es stand aber auch immer ein Krug mit frischem Brunnenwasser auf dem Tisch….Wenn man durchgefroren oder erkältet war, trank man einen Glühwein oder „russischen“ Tee mit Rum.“
Wendelin Hambuch – Ida Husznai-Hambuch – Franziska Keidl – Alois Strigens, Ungarndeutsche Studien 5.

In Deutschland war der Frühstückswein weniger bekannt. Als Biertrinkerland mit wenig entwickelter Weinkultur waren/sind die Frühstücksgetränke anderer Natur. Dafür gibt es aber heute noch das Hüttenfrühstück. Leider mit Bier… 😉 (gesehen im Café der Völklinger Hütte).

Ich berichtete schon einmal über die geänderten Trinkmuster im Wandel der Zeit. Hier zum Nachlesen.

Zu Lebzeiten…

Zu Lebzeiten bin ich schon im Museum gelandet. So quasi als Ausstellungsstück. 😉

Im Freilichtmuseum Bad Sobernheim durfte ich in der medialen Ausstellung „Lebensmitte Wein“ als Interviewpartner fungieren. Zum Thema Anbau, Vertrieb, Genuss und Faszination am Wein wurde ich mit anderen Menschen, die sich beruflich oder in Ihrer Freizeit mit Wein beschäftigen, befragt.

Im Erdgeschoss von Haus Bruttig bilden diese gefilmten Interviews den Kern des neuen Bereichs. Die Ausstellung lädt die Besucher*innen ein, die vielen Facetten des Themas Wein kennenzulernen.

Da der Weinbau ein wichtiger Wirtschaftszweig in Rheinland-Pfalz ist, liegt hier ein thematischer Schwerpunkt des Freilichtmuseums, für den der museumseigene Weinberg, das WeinKulturGut und weitere Gebäude stehen. Zu diesen Häusern zählt auch das Kelterhaus Bruttig in der Baugruppe Mosel-Eifel, welches im 14. Jahrhundert – vermutlich als Wohnhaus – erbaut wurde.

Ein Besuch des Freilichtmuseums in Bad Sobernheim lohnt sich. In über 40 Häusern wird die Geschichte und das Alltagsleben der Bevölkerung von Rheinland-Pfalz lebendig. Begeben Sie sich auf eine Entdeckungsreise durch rund fünfhundert Jahre Geschichte.

Frühling

Mit aller Macht wird es Frühling. Früh morgens noch etwas Raureif in der Weinbergsbegrünung und mittags kurze Hosen Wetter. Jeden Tag Kaiserwetter mit blauem Himmel. Besser geht es nicht!

Jetzt kommt Schwung in die Natur. Das allgemeine Ergrünen der Landschaft wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Der Weinbergspfirsich haben mit seiner wunderschönen Blüte den Anfang gemacht. Die anderen Obstbäume werden binnen weniger Tagen folgen. Die Weinreben brauchen noch etwas länger, bis das Wachstum beginnt.

Wir sind mit dem Rebschnitt fertig. Zurzeit werden die verbliebenen Fruchtruten der Rieslingreben im Drahtrahmen nach unten gebogen und festgebunden. Noch einige Tage und dann sind diese sogenannten Winterarbeiten erledigt. Noch Haus, Hof und Garten für den Sommer vorbereiten und dann können wir die Terrassensaison eröffnen.

Sorgen

Corona und der aktuelle Ukrainekrieg machen uns große Sorgen. Weltweit gestörte Lieferketten, steigende Energiepreise und mangelnde Verfügbarkeit von Vorprodukten (z.B. Flaschen) haben ihre Auswirkungen.

Schon im letzten Jahr gab es einen sogenannten Materialzuschlag auf bestellte Ersatzteile, mittlerweile Energiekostenzuschläge. Dazu fehlende Transportkapazitäten mangels LKW-Fahrern und einiges mehr.

Mittlerweile kommen fast täglich Rundschreiben von Vorlieferanten an, die ich ausschnittsweise zitieren möchte:

„…in den letzten Monaten mussten aufgrund der Entwicklung an den Märkten für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe die Preise …wiederholt angepasst & damit erhöht werden… Diese historische Erschütterung des Preisgefüges hat ein solch schwerwiegendes Ausmaß erreicht, dass es uns unmöglich macht, ohne Anpassung fortzufahren.“

„Die Preise in nie dagewesener Höhe um mehr als 20% anpassen… Bei allen Herstellern kommt es immer wieder zu Produktionsausfällen bedingt durch Corona… Der Krieg in der Ukraine verschärft die Situation noch zusätzlich….“

Bislang konnten wir durch entsprechende Vorratshaltung und geschicktes Einkaufen diese Auswirkungen begrenzen.

 

https://bernhard-fiedler.at/weblog/wp-content/uploads/2022/03/Flag_of_Ukraine.svg_.png

Die derzeitige politische und wirtschaftliche Situation in der Welt wird uns in einem Maße betreffen, welches wir uns vorher nicht auszumalen wagten.

Wir sind schockiert und zutiefst beunruhigt über den militärischen Überfall der russischen Regierung. Unsere Gedanken sind bei den Menschen in der Ukraine, ihren Angehörigen, Freund*innen und bei allen, die von diesem schrecklichen Krieg betroffen sind.

Unser Respekt gilt auch den Menschen in Russland, die sich gegen das Regime und seine Kriegshandlungen auflehnen und dafür ein hohes Risiko eingehen. Wir alle hoffen auf ein baldiges Ende der russischen Aggression und auf ein friedliches Zusammenleben aller Nationen in Europa.