„Finalpröbchen“

Coronabedingt mussten wir auf die große Finalprobe der neuen Weine mit dem Steffens-Keß Verkosterteam verzichten. Leider… Als Ersatz gab es mehrere „Finalpröbchen“ im kleinen Kreis.

Zuerst ein grobes vorsortieren unsererseits. Bei einigen Weinen war schon im Vorfeld klar, wie sie verwendet werden. So konnten die zu probierenden Weine und auch die Verweildauer der Verkoster in der Probierstube verringert werden.

Zuerst kam der Oberkellermeister und wir sortierten die Weine nach Qualität. Zu späterer Stunde, die Weine waren auf Zimmertemperatur und hatten etwas Luftsauerstoff bekommen, probierten wir nach. Zwei Tage danach die nächste Weinprobe mit zwei weiteren Freunden.

Die 2020er Rieslinge konnten sehr schnell in eine qualitative Reihenfolge gestellt werden. Bis auf den Wein, der für den Rieslingsekt bestimmt war, gab es keinerlei Diskussionen über die qualitative Einordnung.  Ein guter Jahrgang, filigran und elegant. Die Qualität ist sehr gut, frische Frucht, elegant und saftig. Die Alkoholgehalte wie immer moderat, sodass diese wieder als Spaßweine bezeichnet werden können. Wir sind zufrieden!

Anfang März beginnen wir mit dem Abfüllen. Kurz danach ist der 2020er Riesling käuflich hier im Shop erwerbbar und Sie können sich selbst ein Bild über den neuen Jahrgang machen.

Filtration

Letzte Woche konnte endlich mit der Filtration der 2020er Rieslinge begonnen werden. Unserem alten Filter, ich berichtete hier, wurde bei der Durchsicht in der Werkstatt noch weiterer Reparaturbedarf attestiert. Ein Totalschaden, der mich und meinen Mitbesitzer zu einer Neuinvestition zwang. Die Verrohrung gänzlich anders, einige Absperrventile mehr (13 im gesamten bei der Filtration!) ließen zuerst den Kopf rauchen, damit das Funktionsschema gelernt und bei der Filtration umgesetzt werden konnte.

Nach den ersten Partien klappte die Handhabung ganz gut. Sogar die Azubine begriff schnell, wie der Filter bedient werden musste und verkostete den vorher/nachher Effekt der Filtration.

Deutlich schmeckbar nach dem Filter die Freisetzung des Bouquets, dass durch die vorher vorhandene Trübung gehemmt war. Die Jungweine präsentieren sich dadurch viel klarer und bedeutend fruchtiger. In alten Zeiten mussten diese Trübstoffe durch langsame Sedimentation und mehrere Abstiche abgetrennt werden. Unten ein Auszug aus einem aktuellen Fachartikel einer Fachzeitschrift:

„…Aufwendig lange Lagerungen sorgten jahrhundertelang dafür, dass die Fermentationsprozesse mikrobiologisch weitgehend abgeschlossen waren und unlösliche Bestandteile sedimentieren konnten. Die Fest/Flüssig-Trennung wurde vor Einführung der Filtration lediglich durch lange Absetzzeiten erreicht. Eine Sedimentation war in den liegenden Fässern über lange Zeitspannen ohne Zentrifugen oder Filter möglich…

…Trübungen im Getränk waren oft mit negativem Geschmack behaftet, blanke Produkte meist die wohlschmeckenderen. Schon vor dem Kauf oder dem Trinken waren durch zu kurze Lagerung schlecht geklärte oder mikrobiell belastete Weine und Biere also visuell zu erkennen. Die Fortschritte in der Mikrobiologie zeigten auch zu dieser Zeit bereits, dass viele Trübungen nicht nur von der Lagerzeit abhängig waren. Hefen und vor allem Bakterien verursachten Trübung sowie Geruchs- und Geschmacksveränderungen. Das war Grund genug, um fortan Biere und Weine wie auch Öle, Essige, Säfte, Wässer und sogar Spirituosen zu filtrieren….““

Prof. Mark Strobl, Das Deutsche Weinmagazin 06,02,2021J. Neßler, 1872

In alten Zeiten dauerte dies sehr lange, wie man einer Fachpublikation von 1872 entnehmen kann. Es entstanden Weine, die mit den heutigen nicht vergleichbar sind. Durch die lange Lagerzeit in Fass ging die Frische verloren und die Weine wurden durch die Sauerstoffdiffusion beim Holzfass oxidativ und hochfarbig (gelb/goldgelb). Nicht umsonst wurde der Wein früher als goldener Rheinwein besungen. Davon würden heute die wenigsten gerne trinken. Zeiten ändern sich und die Geschmäcker…

Wolle mer’n eroilosse?

Wolle mer’n eroilosse?“ („Wollen wir ihn hereinlassen?“). Bei der Kappensitzung im Karneval keine Frage. Darf immer rein.

Jedoch ein striktes Nein meinerseits beim diesjährigen Moselhochwasser. Am vorletzten Wochenende hatte es nicht ganz gereicht, um in den Keller  zu kommen. Am Mittwoch hat sie dann den zweiten Anlauf genommen und es fast bis in den Keller geschafft. Den Moselpegel beobachtend war ich der Meinung, dass es sich für die paar Zentimeter nicht lohnt, das Wasser und den Dreck in den Keller zu lassen. Also eine Decke gesucht und den Weinkeller abgedichtet. Die Sache mit der Decke! Können Sie hier nachlesen.

Letzte Nacht ein letztes Aufbäumen der Mosel. Jetzt ist sie am fallen. Morgen sind wir wieder über die Moselstraße erreichbar.

so sicher wie das Amen in der Kirche…

Ergiebige Niederschläge, steigende Temperaturen mit der damit verbundenen Schneeschmelze auf den Höhen von Hunsrück, Eifel und Vogesen: Die Mixtur für ein Moselhochwasser, so sicher wie das Amen in der Kirche. Dass die Mosel ansteigt, war letzte Woche klar, wie hoch, nicht! Die letzten Tage war es ein Wechselspiel zwischen Regen, abtauendem Schnee und kühleren Temperaturen, die den Regen als Schnee fallen ließen. Die Prognosen des Hochwassermeldezentrum waren situationsbedingt ungenau. Bei normalen Niederschlägen kein Problem und relativ genau was den Hochwasserpegel betrifft.

Vorsorglich wurden die ersten Vorbereitungen für die Flutung des Weinkellers gemacht. Der Höchststand des Moselhochwassers fiel geringer aus als erwartet. Es fehlten einige Zentimeter, der Weinkeller blieb  trocken und wir ersparten uns die Reinigung.

Allerdings kommt noch jede Menge Wasser die Mosel runter. Die Moselstraße wird ihren Namen im wahrsten Sinne des Wortes gerecht und die nächsten Tage noch überflutet sein. Gut, dass wir einen Hintereingang haben 🙂

Zu Nachlesen hier unsere bisherigen Berichte zum Thema Hochwasser.

Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt

Geplant war die schonende Kieselgurfiltration unserer Jungweine, aber dann kam es anders als wir dachten. An der Dosierpumpe für das Filtrationshilfsmittel tropfte es. Also neue Dichtungen eingebaut. Tropfte weiter… Verschleiß am Pumpenkolben, wie ich feststellte. Der Kolbenhub war auch eingeschränkt. Wahrscheinlich eine in der Pumpe verbaute Feder, die gebrochen war.

Ok, mit diesen Einschränkungen hätte die Filtration dieses Jahr noch geklappt, bevor der Filter in Reparatur geht, aber beim Reinigen des Gerätes plötzlich Störgeräusche, ein Geruch nach verbranntem Gummi und Wasseraustritt an der Weinpumpe. Die Dichtung der Pumpenwelle hatte sich verabschiedet!

Jetzt steht der Kieselgurfilter bei Händler und ich warte auf Ersatzteile. Gut, das sich die Mechanik beim Reinigen und nicht bei der Weinfiltration verabschiedet hatte.

Zwei kleinere Weinpartien wurden dennoch mit dem im Weingut vorhandenen Kleinfilter filtriert. Man konnte nach der Filtration die ganze Bandbreite der Aromen Riechen und Schmecken. Die vor der Filtration noch vorhandene leichte Hefetrübung behindert das Freisetzen des Bouquets. Jetzt präsentieren sich die beiden Jungweine noch viel klarer und bedeutend fruchtiger. Ich freue schon darauf, wenn die restlichen Rieslingweine filtriert werden können und ich die ganze geschmackliche Bandbreite des 2020er wahrnehmen kann.