Eine Handvoll…

Eine Handvoll Kräuter aus dem Kräutergarten, alternativ ergänzt durch im Weinberg wachsende Kräuter wie Allium vineale, Pfefferminze, Oregano oder Zitronenmelisse. Nach Belieben Knoblauch. Das Ganze mit einem scharfen Messer klein hacken, kräftig Salz und Pfeffer dazu, mit Riesling-Weinessig ansäuern. Mit einem halben Pfund Butter vermischen und fertig ist die Kräuterbutter.

Auf ein frisches Baguette gestrichen, ein Glas Riesling dazu und der Sommer kann kommen.

Frühstückswein

Der Morgentrunk, später reduziert auf den Frühschoppen: Ernährungsgewohnheiten, die uns heute befremdlich vorkommen. Im edlen Metropolitan Hotel in New York 1859 als Frühstückswein im Angebot. (Auf das Bild klicken, um die ganze Frühstückskarte zu sehen). Aber auch der einfache Mensch startete durchaus mit Wein in den Tag:

„Zum ersten Frühstück wurde Malzkaffee oder Milch getrunken, bei den Männern häufig Wein… Zum zweiten Frühstück und zu allen übrigen Mahlzeiten, auch zur Jause trank man ebenfalls Wein. Es stand aber auch immer ein Krug mit frischem Brunnenwasser auf dem Tisch….Wenn man durchgefroren oder erkältet war, trank man einen Glühwein oder „russischen“ Tee mit Rum.“
Wendelin Hambuch – Ida Husznai-Hambuch – Franziska Keidl – Alois Strigens, Ungarndeutsche Studien 5.

In Deutschland war der Frühstückswein weniger bekannt. Als Biertrinkerland mit wenig entwickelter Weinkultur waren/sind die Frühstücksgetränke anderer Natur. Dafür gibt es aber heute noch das Hüttenfrühstück. Leider mit Bier… 😉 (gesehen im Café der Völklinger Hütte).

Ich berichtete schon einmal über die geänderten Trinkmuster im Wandel der Zeit. Hier zum Nachlesen.

Stolperfallen

Beim Rebschnitt finden wir täglich frische Spuren in unseren Weinbergsbegrünungen. Auf der Suche nach tierischem Eiweiß, wie etwa Engerlingen, anderen Larven und Würmern, durchwühlen Wildschweine den Erdboden systematisch. Unsere Ökoweinberge sind besonders beliebt. Durch die ökologische Bewirtschaftung ist der Humusgehalt hoch und viele Larven und Würmer finden sich im Boden, die den Schweinen schmecken.

Bisher waren die Wühlschäden der Wildschweine noch im erträglichen. In diesem Winter hat die Wühltätigkeit massiv zugenommen. Man muss aufpassen, dass man nicht in die gewühlten Stolperfallen tritt und sich verletzt. Zusatzarbeit im Frühjahr. Die Bodenverwerfungen müssen in einem extra Arbeitsgang mit der Kreiselegge geglättet werden, damit der Kettenschlepper ohne großartiges Geschaukel fahren kann.

Die Wildschweinpopulation ist seit Jahren am Steigen. Ursachen sind Veränderungen in der Landwirtschaft. Erhöhter Maisanbau oder die Verbuschung nicht mehr genutzter Land- bzw. Weinbaufläche, die mehr Rückzugsräume für die Tiere schafft. Auch die Klimaänderung ist neben weiteren Faktoren dafür verantwortlich.  Coronabedingt waren zudem weniger Jäger unterwegs oder konnten aus dem benachbarten Ausland nicht einreisen. Die Bejagung, die das ökologische Gleichgewicht herstellen soll, war daher nicht intensiv genug.

Ich denke, dass ich beim Jäger mal wieder ein Reiler Goldlayschwein bestellen muss. Diese Spezies habe ich lieber im Backofen als im Weinberg.

Neues aus der Moselstraße

Coronabedingt mussten Horst und Roland Ballé im letzten Jahr ihren Urlaub in Deutschland, bzw. an der Mosel verbringen. Zum Glück für unser Dorf verliebten Sie sich in ein zum Verkauf stehendes altes Hotel. Eine berufliche Veränderung stand ebenfalls an.

Kurzerhand wechselte das Hotel den Besitzer und wurde im Jugendstil Flair renoviert. Seit einigen Wochen beherbergt es das Café Ballé. In der hauseigenen Pâtisserie werden von Hobbykoch Horst Ballé und der Konditorin Michelle die leckersten Törtchen, Torten und Kuchen kreiert. Kleine Snacks ergänzen die Karte.

Die Kuchenkarte wurde von uns schon hoch und runter ausgiebigst getestet und es war jedes Mal ein kulinarisches Vergnügen. Eine Bereicherung der örtlichen Gastronomieszene, über die ich hier und hier schon einmal berichtete.

Hier ein Bericht des SWR über das Café Ballé.

Kunstwerke

Glücklicherweise sind wir bei uns in Reil mit ausreichend Gastronomie gesegnet. Noch besser ist, dass alle gastronomischen Betriebe in ihrer jeweiligen Kategorie Spitzenleistungen erbringen. Angefangen vom Imbissstand unterm Rathaus, über die leckeren Schnitzel in der Linde, dem Weinberg-Hotel Nalbach mit der sehr guten bürgerlichen Küche, den Straußwirtschaften bis hin zu den  beiden Top Restaurants Reiler Hof und Villa Melsheimer.

Bemerkenswert in der Villa Melsheimer sind neben der Weinkarte die Desserts, eine Passion des Küchenchefs. Für mich kleine Kunstwerke, für andere Dekorationsorgien. Aber egal, schmeckt unheimlich gut!

Weitere, bessere Bilder wie das obige, gibt es auf dem Instagramaccout des Restaurants.

Danke…

Danke, liebe Kollegen von Terroirmarche,  dass wir bei Eurer diesjährigen Weinpräsentation dabei sein durften.

Schon mehrmals wurden wir Ökowinzer von der Mosel als Gastwinzer der italienischen Biowinzervereinigung in den Marken eingeladen. Dieses Jahr fand die Jahrespräsentation der Winzerkollegen in Ancona am vergangenen Wochenende in der La Mole, ein Kulturzentrum im Hafen, statt. Zwei Tage Weinverkostung und ein spannendes Rahmenprogramm boten die ital. Winzern den Besuchern.

Neben meiner Wenigkeit reiste noch Dieter (links im Bild) vom Weingut Hoffmann-Simon aus Piesport mit, um mit mir den Moselriesling in Italien zu präsentieren. Es machte uns sehr viel Spaß und wir ergänzten uns Prima. Wenn etwas Zeit war, repräsentierte einer von uns beiden die Mosel und unsere Weingüter und der andere ging zu den Kollegen probieren.

Fest im Rahmenprogramm die flüssigen Seminare, also betreutes trinken, mit vielen verschiedenen Weinen. Kommentiert von einem Moderator. Wir verstanden zwar nicht, was auf der Bühne über die Weine erzählt wurde, aber das brauchten wir nicht. Der Wein im Glas erzählte uns schon genug.

Stilecht wurden die Weine von Sommeliers, auch Mundschenk oder Weinkellner/-in genannt, ausgeschenkt. Tres chic aussehend, mit „Berufsbekleidung“ und dem umgehängten Tastevin, eine Probierschale am Silberkettchen.

Auch das Essen kam nicht zu kurz. Gute regionale italienische Küche, bodenständig und gut. Daher zwei Tipps wo man es sich gut gehen lassen kann.

Direkt am Meer gelegen, mit Blick auf den Fischereihafen, dinierten wir z.B. im Restaurant Il Palombaro in der Nachbarschaft des Veranstaltungsortes leckeren Meeresfisch.

Auf Empfehlung von unseren ital. Freunden suchten wir noch die Trattoria Clarice auf und waren sehr überrascht.  Die Chefin und Köchin hatte sich tagsüber auf der Weinpräsentation intensiv mit unserem Moselriesling beschäftigt und erkannte uns direkt. Ein sehr gemütliches kleines Restaurant mit einer kleinen, aber sehr guten Speisekarte und eine große Auswahl an Bioweinen. Wir wurden herzlichst begrüßt und konnten beim abendlichen Dämmerschoppen zuschauen, wie die Köchin in der Küche werkelte.

Erster!

Erster! Nachdem uns in den letzten Jahren öfters die ganze oder die halbe Ernte des Weinbergpfirsichs geklaut wurde,  war ich heute als erster da und habe geerntet. Mangels genügender Erntebehältnisse werden morgen früh die restlichen Pfirsiche (Prunus persica) gepflückt.

Von einem weiteren Pfirsichbäumchen, dass ich vor fünf Jahren gepflanzt hatte, konnte ich dieser Tage die erste Ernte einfahren. Leider erst die erste. Die eigentlich erste Ernte fiel meinem Mähgerät zum Opfer, als ich versehentlich über das im Weinberg stehende Bäumchen mit dem Kettenschlepper fuhr. Die zweite und dritte Ernte, jeweils nur eine Handvoll Früchte, wurden auch geklaut.

Es stellte sich jetzt heraus, dass das Bäumchen, das ich als Weinbergspfirsich von einem befreundetem Hobbygärtner bekommen hatte, ein weißer Pfirsich ist, der äussert wohlschmeckend und aromatisch ist.

Küchenparty

Der Winzer winzert nicht nur im Weinberg und Weinkeller. Auch der Verkauf muss gefördert werden. So freuten wir uns am vergangenen Wochenende über die Einladung unseres Lieblingsrestaurants Reiler Hof, bei der Küchenparty teilzunehmen und einige unserer Weine vorzustellen. Trinken und Essen auf höchstem Niveau!

Die Kleinigkeiten zum Aperitif wurden in den Speisesälen als Fingerfood gereicht. Schlemmen war angesagt.

Gratinierte Austern, Froschschenkel mit Cremespinat und andere kleine Leckereien überzeugten.

Die Vorspeisen ebenfalls deliziös: Z.B. Créme Brülée von der Gänseleber oder Thunfisch mit Currymango und asiatischem Gemüsesalat. 

Als Sattmacher und Hauptspeise folgten weitere Köstlichkeiten aus der Restaurantküche, die vom Dessert gekrönt wurden.

Bis auf das Fingerfood mussten sich die Gäste selbst in der Küche und bei den vier im Lokal anwesenden Rieslingwinzern bedienen. Das ganze als Küchenparty zelebriert. Nicht steif am Tisch sitzen und sich bedienen lassen, sondern ständig in Bewegung bleibend um Nachschub an Trink- und Essbarem zu besorgen und nebenbei noch andere nette Menschen kennenlernen.