Weinernte 2023: Ernte in Zeiten des Klimawandels

Der Weinbau verwandelt sich durch den Klimawandel immer schneller. Am Anfang meines langjährigen Berufslebens war ich froh, wenn der Riesling spät im Oktober reif wurde. Man zögerte die Weinernte lange hinaus, um die nötige Traubenreife zu bekommen. Tiefe Temperaturen, mit Frost, waren keine Seltenheit. Mit Winterbekleidung und klammen Fingern wurde dann geerntet. Des Öfteren waren unsere Erntekisten aneinander gefroren.

Mittlerweile reicht morgens ein leichtes Jäckchen gegen die Morgenkühle und Mittags sind T-Shirt und kurze Hose angesagt.  Weitere Nebenwirkungen der hohen Temperaturen haben wir dieses Jahr schmerzlich gespürt. Das erste, heiße Oktoberwochenende, setzte den Rieslingtrauben stark zu. Rasant breitete sich Essigfäule aus. Die rosa gefärbten Essigfäulebeeren waren leicht zu erkennen und schnell aussortiert. Der gleichzeitig beginnende Befall mit dem Edelfäulepilz Botrytis ist in anderen Jahren kein Problem. Dieser Pilz durchlöchert die Beerenhaut, Wasser verdunstet aus der Beere und der Rest konzentriert sich. Dazu kommen noch Stoffwechselprodukte des Botrytispilzes, die eine honigartige Aromatik haben. Ein Muss für hochwertigste Rieslingweine und ohne diesen Pilz nicht machbar.

Aber leider waren dieses Jahr die überall vorhandenen Essigbakterien durch die durchlöcherte Beerenhaut in die Beeren eingedrungen. Bei den hohen Temperaturen konnten sie sich rasend schnell vermehren. So wurde aus der Edelfäule schlicht und einfach Essigfäule, die wir mit hohen Verlusten aussortieren mussten.

In einem Weinberg, der penibel vorselektiert worden war, wurden am letzten Erntetag wunderschöne, lockerbeerige Trauben geerntet.  Dazu noch frischer, optimaler Befall mit dem Edelfäulepilz, ohne einen Hauch von Essigfäule. Voraussetzung für einen großen Wein!

Die Traubenqualitäten, die in der Weinpresse landeten, waren sehr gut. Wir waren aber nicht die einzigen, denen unsere Trauben schmeckten. In einem Weinberg hatten auch die Vögel unsere guten Beeren entdeckt und sich reichlich bedient. In diesem Weinberg müssen wir nächstes Jahr die Ernte früher terminieren, damit für den Winzer mehr übrig bleibt.

Die jungen Weine befinden sich noch größtenteils in der Gärung. Sie werden fast täglich probiert, um die Geschmacksentwicklung zu verfolgen. Und das macht so richtig Spaß. Man schmeckt beim Probieren die vollreifen Rieslingtrauben.

Eine alte Handwerkskunst: Der Winzer muss ein Maximum an Geschmack in der Traube konzentrieren und der Kellermeister soll diese verlustfrei in die Weinflasche abfüllen.

Weinernte 2023: alles unter einen Hut bringen

Weinernte bedeutet nicht nur Trauben abschneiden, im Weinberg selektieren und abends stundenlang im Kelterhaus und Keller Trauben und Most verarbeiten. Es bedeutet einiges mehr! Im Hintergrund läuft immer auch eine logistische Herausforderung für unser kleines Weingut. Planen, wann die Lese ungefähr beginnt, die unverzichtbaren Erntehelfer organisieren und im Weinkeller alles vorbereiten.

Foto: Lena Everding

Wichtig ist auch die Frage, ob es unter den Helfern schon „Mehrfachtäter“ gibt, die neue Erntehelfer anleiten können und im Team die Arbeitsabläufe unterstützen und beschleunigen. Im Idealfall ein Dreamteam, wie bei den meisten vergangenen Weinernten.

Foto: Lena Everding

Da die Weinernte auch sehr körperlich belastend ist, werden die körperlich anstrengenden Arbeiten auf mehrere Köpfe verteilt. Auch das hat dieses Jahr sehr gut geklappt. Ex-Azubi Ken kümmerte sich um den Transport der Erntekisten aus dem Weinberg auf den Anhänger.

Foto: Lena Everding

Junior Felix war für das Abladen der Kisten auf die Weinpresse zuständig, ich für die abendliche Trauben- und Mostverarbeitung.Eine ganz wichtige Rolle und auch eine der größten Herausforderungen spielt das leibliche Wohl und die Unterkunft. Alles muss organisiert werden. Betten haben wir genug in unserem Haus und diejenigen, die bei uns Quartier bezogen haben, helfen tatkräftig mit. Es ist sozusagen wie in einer großen Wohngemeinschaft. In der Regel sind 7 bis ca. 15 Personen zu versorgen. Das ist noch kein Problem. Aber wir hatten auch schon Erntetage mit 30 Leuten. Dann wird es spannend. Haben wir genug Porzellan? Besteck? Erntescheren? Wie kommen die ganzen Leute in den Weinberg? Chefin Marita hat diese Herausforderungen bisher bestens gemeistert.

Foto: Archiv

Unsere niederländischen Helfer bringen auch immer etwas zum Naschen mit. Sei es der selbst gebackene Kuchen oder schon traditionell seit Jahren die Großpackung Kruidnoten, die binnen kürzester Zeit aufgegessen sind.

Auf die Essenswünsche unserer Gäste gehen wir gerne ein. Vegan, vegetarisch oder ein ordentliches Steak vom Grill: alles kein Problem. Auch mitkochen ist erlaubt. Unsere am weitesten angereiste Erntehelferin, Greysi Quiroz aus Pozuzo, Peru, hat uns bei der Weinlese mit einem typisch peruanischen Gericht bekocht: frittierte Kochbananenknödel, marinierte Zwiebeln mit frittiertem Rauchfleisch. Schmeckte sehr gut, sättigte ungemein und unser Riesling passte perfekt dazu.

Bisher hat es immer geklappt, alles unter einen Hut zu bringen.

Danke an Lena Everding für die Fotos.

Weinernte 2023: Tag drei

Seit drei Tagen sind wir nun am Ernten. Morgens bei dichtem Nebel und wärmer angezogen.

Mittags bei hochsommerlichen Temperaturen im T-Shirt. Fast zu warm um zu ernten, etwas kühler wäre angenehmer.

Lockerbeerig, gesund und sehr schön präsentieren sich größtenteils die Rieslingtrauben.  Die Saftqualitäten sind analytisch im optimalen Bereich und sie schmecken sehr gut.

Die Wärme hat aber auch Ihre Schattenseiten. Überall findet man mittlerweile Essigfäule, die sich rasch ausbreitet. Normalerweise kein Problem. Diese rosa schimmernden Beeren findet jeder Erntehelfer schnell und kann sie aussortieren. Beeren, deren Schale vorgeschädigt ist, wie z.B. bei der Edelfäule, werden ebenfalls durch die Essigfäule infiziert. Dann wird aus der Edelfäule schlicht und einfach Essigfäule.

Das beschert uns zusätzlichen Selektionsaufwand mit Mengenverlusten, um einwandfreie Trauben in die Weinpresse zu bekommen. Gut, dass wir eine große Erntemannschaft haben, die morgen noch um fünf Köpfe anwachsen wird.

Ab Morgen soll es kühler werden und immer noch trocken bleiben. Wir werden uns beeilen müssen, damit wir alle Trauben in bestmöglicher Gesundheit ins Weingut bekommen.

„Klimawandel sei dank“ Der wärmste September seit Messbeginn.🙁

Weinbauernherz, was willst du mehr?

Letzte Woche hoffentlich das letzte Mal vor der Ernte den Regenmesser geleert. Sechs Wochen mit feuchtem Wetter liegen hinter uns. Nach dem sehr trockenen Sommer war der Regen sehr willkommen. Jetzt sind wir in der Reifephase und die Trauben werden anfällig für Fäulnis. Da braucht es nicht mehr zu regnen.

Ein sehr stabiles Hoch wird uns den nächsten Tagen und ggf. Wochen trockenes Wetter mit Spätsommertemperaturen bescheren. Winzerwunschwetter! Die Rieslingtrauben sehen gut aus und davon gibt es reichlich.

Abgesehen von den kleinen Schäden durch den Peronosporapilz im Juni, haben einige, wenige Trauben leichte Sonnenbrandspuren. Nicht der Rede wert. Das könnte ein Jahrgang ganz nach dem Geschmack des Winzers werden. Also Wein vom glücklichen Winzer!

Weinbauernherz, was willst du mehr?

Der Stand der Dinge

Die Sommerarbeiten im Weinberg neigen sich dem Ende zu. Es ist wieder ein spannendes Weinjahr. Der Klimawandel lässt mit seinen Wetterextremen grüßen. So ist das Wetter über längere Phasen immer gleichbleibend stabil. Lange Trocken- oder Nässephasen.  Nichts mehr mit der kühl gemäßigten Klimazone mit öfter wechselndem Wetter. Die Extreme nehmen zu.

Noch im Mai bereiteten uns extrem feuchte Böden Schwierigkeiten beim Befahren. Die nachfolgende Trockenheit wurde Gott sei Dank durch ergiebigen Landregen (über 100 l je qm) in den letzten zwei Wochen beendet. Die Trauben sind recht groß geworden. Dort wo schon die Trockenheit zu sehen war, sind sie etwas kleiner und lockerbeeriger. In der Summe aber eine ordentliche Menge, die in den Rebstöcken hängt. Wir freuen uns – falls nicht noch etwas Unerwartetes passiert – auf die kommende Weinernte.

Den unerwarteten Befall des Laubes im Juni durch den heimtückischen Peronosporapilz haben wir gut überstanden. Je nach Weinberg sind einige, wenige Trauben befallen und vertrocknet. Nicht der Rede wert.

Der viele Regen hat uns das Fahren mit der Raupe wieder schwer gemacht. Sie wissen ja, den Berg hinunter helfen alle Heiligen, den Berg hinauf kein Teufel.
Nach der „kleinen Schlammschlacht“ im Hang heute Generalreinigung, die sich über einen längeren Zeitraum hinzog. Eine ganze Schubkarre Weinbergserde wurde aus dem Laufwerk der Raupe entfernt.

Ab morgen soll der Sommer wieder zurückkehren und in der Langfristprognose der Meteorologen ist kein Regen vorgesehen. Es ist noch reichlich da…

Hanneke sei Dank!

Wir haben es dieses Jahr nicht gemacht! Sie wissen schon, Fenster putzen und Auto waschen: Sobald eines von beiden sauber ist, regnet es, sagt man. Und wenn man den Regen dringend braucht, klappt es nicht.

Was nun? Hilfe kam von Winzerkollegin Hanneke vom Weingut Schönhals in Rheinhessen. Sie hat es auf ihre Art versucht und vor ein paar Tagen einen Regentanz im Weinberg aufgeführt. Und wissen Sie was? Es hat geholfen! Bis gestern Abend waren schon 28 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Heute kam noch einiges dazu. Die Sorgen wegen der Trockenheit sind vorerst wie weggeblasen.

Danke Hanneke! 🙂

The same procedure as every year

The same procedure as every year. Beim „Dinner for one“ normal. Im Weinberg leider nicht. Durch den Klimawandel wiederholen sich die sommerliche Trockenperioden immer häufiger.

Noch vor sieben Wochen hatte ich mit dem Raupenschlepper große Probleme, bergauf und bergab zu fahren. Die Böden waren maximal wassergesättigt. Seitdem hat es kaum nennenswert geregnet. Inzwischen sehen wir nur noch verbrannte Erde. Die Begrünung am Hang ist größtenteils vertrocknet. Die Reben sehen noch gut aus und zeigen bis auf wenige Ausnahmen keine Trockenschäden. Mit ihren langen Wurzeln finden sie noch Wasser im Untergrund. Nur in drei Weinbergen haben wir Rebstöcke, die aufgrund ihres jungen Alters und/oder des hoch anstehenden Felsens kein Wasser mehr bekommen und unter Trockenstress leiden. Dort müssen wir in den nächsten Tagen die Reben entlasten, damit sie überleben können.

Regen ist willkommen. Möglichst bald und reichlich. Heute sind Gewitter gemeldet. Hoffentlich ohne Hagel, mit reichlich Regen, der über Stunden fällt, ohne Erosion zu verursachen.

Extrem heimtükisch

Man denkt an nichts Schlimmes: Bestes Sommerwetter, warm, fast keine Luftfeuchtigkeit, kein Tau und sehr wenig Regen. Und dann das: Extrem heimtückisch zeigt sich dieses Jahr der Peronosporapilz. Am vergangenen Montag staunte ich ungläubig, als ich die gelblichen Flecken auf der Blattoberseite sah. Aus der Inkubationszeit konnte ich das Datum der Infektion berechnen. Das kleine Gewitter an Fronleichnam hatte zu Infektion geführt. Trotz Pflanzenschutzmaßnahmen mit unseren ökologischen Pflanzenpflegemitteln einen Tag vorher wurden die Reben infiziert. Ein größerer Weinberg im Burger Hahnenschrittchen war stärker betroffen. Andere nur leicht oder gar nicht. Infektionen sind überall in der Gemarkung zu finden. Konventionell oder ökologisch arbeitend spielt keine Rolle. Der eine etwas mehr, der andere Weinberg weniger.

Einen Tag später, es hatte etwas über Nacht geregnet, sah man den Pilzrasen auf der Unterseite der Blätter. Der Pilz hatte durch die Feuchtigkeit begonnen zu sporulieren, d.h. seine Sporen in die Reben zu schleudern.

Jetzt haben wir ein kleines Problem. Normalerweise reifen die Pilzsporen auf dem Boden, wenn es feucht genug ist . Sie werden dann durch Regen und Wind auf die Blätter geweht und der Infektionszyklus beginnt. Mit jeden Zyklus ohne Bekämpfung steigt das Gefahrenpotential. Jetzt haben wir die Sporenbildner in den Reben, die bei Feuchtigkeit, Blattnässe, Dunkelheit und anderen Faktoren den Vermehrungszyklus massiv forcieren. Dort sind dann nach der Rebblüte der vergangenen Tage, die jungen, sehr empfindlichen Träubchen. Jetzt heißt es aufpassen mit den Pflanzenschutzmaßnahmen. In kurzen Abständen müssen unsere ökologischen Präparate nun auf die Beerchen aufgebracht werden. Bei dem schnellen Beerenwachstum muss immer eine Schutzschicht auf der Beerenhaut und den Blättern sein, damit der Pilz nicht eindringen kann. Das angekündigte trockene Wetter spielt uns dabei in die Hände. Niedrige Luftfeuchtigkeit und kein Regen in den nächsten Tagen ist für uns vorteilhaft. Wir werden uns heftig wehren! In den Peronosporajahren 2009 und 2016 haben wir es auch geschafft und die Lage war weitaus schlimmer als dieses Jahr.