„Es regnet gerne, wo es schon nass ist“

„Es regnet gerne, wo es schon nass ist.“ besagt ein althergebrachtes Sprichwort.

Ein übler Nebeneffekt der Regenfälle, die zum sehr hohen Moselhochwasser vor zwei Wochen geführt hatten, sehen wir seit einigen Tagen im Weinberg. Zur Peronospora hat sich noch die Schwarzfäule gesellt. Viele Beeren sind befallen. Diese trocknen jetzt ein und fehlen bei der Weinernte.

Ein anstrengendes Weinjahr! Die Infektionen mit dem falschen Mehltau vor vier Wochen hatten wir glimpflich überstanden. Nun ein massiverer Befall durch diesen Pilz, der aus Nordamerika stammt und erst seit 2004 eine wesentliche Rebkrankheit darstellt.

Nach der Rebblüte hatte alles sehr gut ausgesehen. Es sah mengenmäßig nach einer guten Ernte aus. Wir werden allerdings Abstriche machen müssen. Wie groß diese sind weiß ich noch nicht. Es sind noch einige Wochen bis dahin. Es kann noch viel passieren oder gar nichts. Ich ziehe das „gar nichts“ vor und bitte keinen Regen mehr!

Spuren

Das rasante Rebwachstum hat im Weinberg seine Spuren hinterlassen. Der heimtückische Peronosporapilz hat bei uns zugeschlagen. Seit letzter Woche sieht man auf der Blattoberseite vereinzelt den sogenannten Ölfleck, eine gelbliche Aufhellung.

Auf der Blattunterseite dann der Pilzrasen, von dem weitere Infektionen ausgehen. Insgesamt sind bisher zum Glück noch wenige Blätter befallen.

Aber es finden sich im Rebstock leider auch einige befallene Trauben. Ursache für den diesjährigen Pilzbefall ist das wahnsinnig schnelle Rebwachstum. Binnen weniger Tage wurden die Wirkstoffe, die gegen die Peronospora helfen, durch das Wachstum dermaßen verdünnt, dass sie keinerlei Wirksamkeit mehr entfalten konnten. In den „Peronosporajahren“ 2016 und 2009 lagen die Gründe für den Pilzbefall dagegen vor allem im dauerhaft feuchtem und regnerischen Wetter.

In jedem Jahr müssen die Reben in den Sommermonaten durchgehend gegen Pilzkrankheiten (Peronospora, Mehltau und Schwarzfäule) geschützt werden. Gegen diese aus Amerika eingeschleppten Pilzkrankheiten haben die europäischen Reben keine Abwehrmaßnahmen. Wetterbeobachtungen, Prognosemodelle und biotechnische Maßnahmen im Weinberg helfen uns bei der Bekämpfung.

Bis jetzt haben wir dieses Jahr Glück gehabt. Auf der anderen Moselseite, in der nächsten Gemeinde, an jeder anderen Windung der Mosel sieht es ganz anders aus. Kleinste Unterschiede entscheiden darüber, ob Weinberge von den Pilzen befallen werden: ein wenig kälter oder wärmer, ein trocknendes Lüftchen, die Ausrichtung zur Sonne, oben oder unten im Moseltal, ein Quäntchen mehr oder weniger Regen, bzw.  Luftfeuchtigkeit, Blütezeit und der Zeitpunkt der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln durch den Winzer. Insgesamt ist es eine Gratwanderung, auf die wir nur begrenzten Einfluss haben.

blitzschnell

Blitzschnell sind die Reben in den letzten Tagen gewachsen. Ich kann mich nicht erinnern, dass es in meiner Winzerlaufbahn ein ähnliches Rebenwachstum gegeben hat. Vorausschauend hatte ich noch weitere Helfer für die Laubarbeiten engagiert. Ich wäre sonst nicht mit der Arbeit hinterhergekommen.

Temperaturen über 30 Grad, hohe Luftfeuchtigkeit und strahlender Sonnenschein erschwerten die Arbeit. Mit viel Mineralwasser und vielen kleinen Pausen war es noch erträglich. Heute wieder „normale“, kühlere  Sommertemperaturen, die den Spaßfaktor und die Arbeitsgeschwindigkeit erhöhen.

Der Riesling ist mit rasender Geschwindigkeit am Blühen. Vor drei Tagen waren erst wenige am Blühen, heute die sogenannte Vollblüte. In einigen Tagen ist die Rebblüte 2021 schon Geschichte. Die Wetterbedingungen sind für die Rieslingblüte perfekt. Ich gehe davon aus, dass eine sehr gute Bestäubung stattgefunden hat.

Auf dem Bild sieht man die Details. Sobald das Blütenkäppchen abgeworfen ist, erscheint der Fruchtknoten mit Narbe und den Staubgefäßen. Und dann ist es auch schon passiert und die Bestäubung ist erfolgt. Da die Reben ein Selbstbestäuber ist, werden keine Insekten benötigt.

Rasend schnell

Rasend schnell wachsen die Reben. Zwei Wochen Sommerwetter haben den Vegetationsrückstand gegenüber letztem Jahr schrumpfen gelassen. Die Reben sind wieder saftig grün und morgen beginnen wir mit den Laubarbeiten. Zur Unterstützung kommen morgen noch zwei Helfer, da wir bei diesem enormen Wachstum nicht mit der Arbeit hinterherkommen würden,

Unser Hausrebstock im Weingut ist in der Blüte. In einigen Tagen müsste auch der Riesling am Blühen sein. Beste Bedingungen herrschen im Weinberg für die Reben. Der Bodenwassergehalt ist für diese Jahreszeit immens hoch, trockenes und sehr warmes Wetter gemeldet. Sogenanntes Winzerwunschwetter, auch als Kaiserwetter bekannt

Montag, den 11. Oktober, morgens um 8.30 Uhr

Endlich Sommer! Es wurde so langsam Zeit. In der letzten Woche noch Langeunterhosenwetter und nun Kurzehosenwetter. Wir sind gegenüber dem letzten Jahr ca. drei Wochen später mit der Vegetation.

Die Rebblätter sind kältebedingt gelblich geworden. Nährstoffe konnten wetterbedingt nicht von der Rebe aufgenommen werden und ein Chlorophyllmangel entsteht. Chlorose sagt der Winzer dazu. Das dürfte aber kein Problem sein. Reichlich Regen hat den Bodenwassergehalt bis ans Maximum aufgefüllt. Weitere Regenfälle sind prognostiziert. Wenn jetzt die Temperaturen sommerlich warm bleiben, verschwindet die Chlorose, setzt rasantes Rebwachstum ein und der Wachstumsrückstand wird verkleinert.

Eine etwas spätere Weinernte ist auch nicht schlecht. Langsame Rieslingreife bei kühleren Temperaturen fördert die Aromatik und hemmt unerwünschte Fäulnis.

Ich bin jetzt einmal etwas mutig: Montag, den 11. Oktober, morgens um 8.30 Uhr Erntebeginn Riesling. Wird natürlich ein Jahrhundertjahrgang… 🙂

kalt

Es ist kalt in Deutschland. Die Reben kommen nicht in die Puschen. Die Rebknopspen sind dick geworden und einige öffnen sich schon. Von wachsen kann aber keine Rede sein. Gegenüber letztem Jahr liegen wir ca. drei Wochen zurück.

Ohne Rebwachstum gibt es keine Arbeit im Weinberg. Zeit für einen Rundumschlag im Weingut. Der jährliche Frühjahrsputz wurde ausgedehnt. Baumrückschnitt, Hofbepflanzung, Kärchern des Pflasters und und und… Der Hof erstrahlt jetzt wie neu und leider – Coronabedingt – keine Besucher.

Bevor die Laubarbeiten beginnen, die unsere Arbeitszeit fast gänzlich in Anspruch nehmen werden, wurde ausreichend Wein etikettiert. Azubine kann mittlerweile unsere Etikettiermaschine selbstständig bedienen und alleine etikettieren.

die Gelegenheit genutzt

Nach drei sehr trockenen Jahren haben wir die Gelegenheit genutzt, um die Bodenbegrünungen in jeder zweiten Rebzeile umzubrechen. In den Vorjahren war dies durch die trockenen, harten Böden nicht möglich. Es fehlte uns auch an entsprechender Technik. Unser Maschinenpark wurde jetzt mit einer Bodenfräse ergänzt, die diese Arbeit leicht erledigt.Die am äußeren Ende abgewinkelten Messer der Fräse rotieren um eine waagrechte Welle (Fräswelle). Die Fräsmesser schneiden die durchwurzelte Erde aus dem Boden heraus und werfen sie gegen ein Prallblech, wodurch der Boden gelockert, gekrümelt und vermengt wird.

Die nun auf dem Boden aufliegende lockere Schicht aus Pflanzenresten und Boden schützt vor vermehrter Verdunstung von Bodenwasser. Zudem werden durch die Lockerung die Bodenbakterien gefördert. Diese bauen den in den letzten Jahren gebildeten Humus ab und Stickstoff wird freigesetzt, der als „Motor des Pflanzenwachstums“ gilt. Besseres Rebenwachstum und dickere Trauben (!!!) sind die Folge, so zumindest in der Theorie… 🙂

Das rechte Maß bei der Bodenbearbeitung ist wichtig. Zu viel Stickstoff veranlasst die Rebe zum Luxuskonsum mit entsprechend negativen Folgen wie z.B. vorzeitige Traubenfäulniss oder das Nitrat wird ins Grundwasser ausgewaschen.

In einigen Wochen werden die Rebzeilen wieder begrünt sein. Ich lasse mich überraschen welche Pflanzen sich ansiedeln und die biologische Vielfalt erhöhen.

Der Stand der Dinge

Die kühlen Tage verzögern den Austrieb der Reben um etliche Tage. In den letzten Jahren waren wir mindestens eine Woche früher.

Was mich im Moment am meisten freut, sind die ausgiebigen Regenfälle in den letzten Tagen. Satte 44 Liter je qm binnen weniger Tage. Das ist ein guter Start in die Vegetationsperiode. Nach drei trockenen Jahren ein Lichtblick. Die Bodenwasservorräte dürften aufgefüllt sein.Peribatodes rhomboidaria, auch Rhombenspanner genannt ist auch schon in den Weinbergen unterwegs. Einige Rebknospen sind ausgefressen. Die Temperaturen hemmen ihn jedoch bei seiner Fraßtätigkeit. Warmes Wetter mit schnellem Austrieb der Reben wäre jetzt gut, da der Rhombenspanner nur die dicken Knospen ausfrisst. Mit frischem Grün kann er nichts anfangen.

Ich berichtete schon einmal über die Schäden, die diese Raupe verursacht.