Seit fast einem Jahr steht er in unserem Kräutergarten und bereichert unseren Winzerhof: Der Eisenmensch. Von einem Freund aus alten Weinbergsgerätschaften geschweißt. Eine Erdschippe, alten Pflugscharen, diverse Weinbergshacken, eine Traubengabel und andere Arbeitsgeräte wurden dafür verwendet.
Eine schön Form des Upcyclings: „Kunst“ aus Alteisen.
Ich schrieb schon damals, dass das Mulchgerät sich „freuen“ wird. Die Mulchmesser hatten durch die Wühlarbeiten der Wildschweine des Öfteren Bodenkontakt und eine sogenannte Reibscheibe, die größere Beschädigungen am Antrieb verhindern soll, musste mehrfach ausgetauscht werden. Lästig, das Teil zu wechseln und die Rebzeile, die nur teilweise gemäht war, nochmals zu mulchen. Zudem in kurzer Zeit mehr Reibscheiben verschlissen, wie ich sonst im ganzen Jahr benötige.
Im letzten Herbst ist das Buch „die neue mosel“ erschienen. Ich dachte mir, dass es wieder so ein übliches Moselbuch mit den üblichen Bildern und den immer gleichen Winzern ist. Ich wollte es mir einmal anschauen, wenn es mir in einer Buchhandlung begegnet, kaufen sicherlich nicht.
Bei einem Besuch bei Freunden lag dieses Buch zufälligerweise rum und ich begann darin zu blättern und anschließend zu lesen. Das Buch hatte mich in Kürze in seinen Bann gezogen.
„..wirft einen überraschenden und ungewohnten Blick auf das Weinanbaugebiet Mosel. Wer die Mosel mit verstaubten Etiketten und schlechter Küche assoziiert, wird in diesem Buch eines Besseren belehrt. Wolfgang Faßbender stellt neue und außergewöhnliche Winzer und Köche vor, führt Interviews mit den wichtigsten Protagonisten und zeigt wie die „Wein-Mosel“ zukünftig aussehen könnte. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise, die an der Obermosel und in Luxemburg beginnt und flussabwärts führt, …“ so der Pressetext des Verlages.
Dem kann ich voll zustimmen. Frische, gut geschriebene Texte von Wolfgang Faßbender, die dazu führen, das Buch in einem Rutsch durchzulesen. Dazu Bilder von Andreas Durst, die die Mosel aus einem anderen Blickwinkel zeigen.
„Wir soffen uns langsam den Fluß hinab,… und auf jeder dritten Station stiegen wir aus und sahen nach, wie es mit dem Weine wäre. Es war.“ schrieb schon Kurt Tucholsky auf seiner Moselreise 1929. Dies taten auch die beiden Autoren des Buches – zumindest die Mosel hinab reisen – und die große Überraschung für mich konnte ich auf den letzten Seiten des Buches lesen.
Zu einem war ich erwähnt – neben vielen anderen Kollegen, die nicht zu den „immer gleichen Winzern“ zählen – , zum anderen kamen sehr lobende Worte über unser Weingut und unsere Weine darin vor.
„bekannt geworden…für seine klugen Blogberichte… keiner tut es so klug und präzise, unterlegt von kühnen Fotos, wie Harald Steffens…“
Das war ja schon Balsam für meine Seele, aber Wolfgang Faßbender setzte noch einen obendrauf:
„Die trockene Spitze, ist weitgehend unabhängig von den Besonderheiten des Jahrgangs, auch von den Großen Gewächsen des Anbaugebietes Mosel kaum zu übertreffen, besitzt eigene, von Kräuterwürze geprägte Klasse, die Preise bleiben ohnehin auf dem Teppich. Dass hier ökologisch gearbeitet wird, hängt niemand an die große Glocke, die Qualität von Steffens hausgemachtem, komplexen Balsamessig ebenfalls nicht.“
Aber unabhängig, ob mir in diesem Moselbuch geschmeichelt wird: lesenswert! Ein muß für dem Weinliebhaber!
„die neue mosel – von weinen und winzern“, Wolfgang Faßbender / Andreas Durst
Mondo Verlag, Heidelberg
208 Seiten, gebunden, gebunden, vierfarbig, 20,1 x 25,4 cm, ISBN: 978-3-938839-36-2, 34,95 €
Bis dahin hatte ich mich noch nicht handwerklich, also in der Praxis, mit dieser Methode des Sektflasche öffnens beschäftigt.
Der Ansporn kam von Alex, dem Jungwinzer vom Weingut Arns in Reil. Die Gerüchteküche besagte, dass er mit dem Säbel am Üben sei. Mich wurmte es, dass der Jungwinzer weiter als der alte Hase war. Was Alex kann, kann ich auch, dachte ich mir. Bei der nächsten Trinkgelegenheit schnappte ich mir das große Brotmesser – ein Säbel war leider nicht zur Hand – und auf Anhieb schlug ich zwei Rieslingsektflaschen den Hals ab. Hatte prima geklappt.
Letzte Woche kursierte obiges Video in den Jungwinzerkreisen von Reil. Mein Azubi zeigte es mir. Schon wieder war Alex mir um Nasenlänge im Voraus. Sabrieren mit dem Sektglas! Das konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen.
Sie wissen schon: Was Alex kann, kann ich auch! Am vergangenen Samstag abend, spät abends nach der Bio-Glühwei(h)n-Nacht die Gelegenheit zum Üben. Das traditionelle Gläschen Sekt mit den letzten Nachtschwärmern. Beim zweiten Versuch war die Rieslingsektflasche geköpft. Noch etwas Übung und dann werde ich auch ein Video drehen.
Danke an alle, die am Samstag zur Bio-Glühwei(h)n-Nacht zu uns ins Weingut kamen. Mit Einbruch der Dunkelheit kamen die ersten Gäste, einige Stunden später war – gefühlt – das halbe Dorf da.
Der Blick in den leeren Glühweintopf sagte mir am nächsten Morgen, dass einiges in dem Spendenschwein sein musste.
Über 1000,- € an Spenden kamen zusammen. Das Geld wird in den nächsten Tagen unter anderem an den exilverein, das Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge, übergeben.
Nochmals tausend Dank an alle, die dabei waren und gespendet haben.
Was macht eigentlich? Eine Frage, die wir uns ab und zu stellen, wenn wir uns über ehemalige Praktikanten und Azubis unterhalten. Zu den meisten haben wir noch mehr oder minder Kontakt. Wir wissen, was sie jetzt machen und welchen Berufsweg sie eingeschlagen haben, z.B. Scheibentöpfer, Silberschmied, Journalist, Landwirt, natürlich Winzer oder anschließendes Weinbaustudium.
Vor ewigen Zeiten hat Ulrike bei uns das freiwillige ökologische Jahr abgeleistet. Nach Lehre, Agrarstudium und eines Zwischenaufenthaltes am Chiemsee, ist mittlerweile ihr lang ersehntes Traumziel erreicht: Ein eigener Bauernhof!
Schwerpunkt der eigenen Produktion liegt im Gemüse- und Kartoffelanbau. Oben im Bild, der etwas „spacig“ aussehende Romanesco.Täglich frisch wird das Gemüse für den eigenen Hofladen geerntet, die Eier der eigenen freilaufenden Hühner werden ebenfalls täglich im Hühnerstall aufgesammelt gesucht. Regional und biologisch produziert nach Bioland-Richtlinien.
Der Hofladen ist Mo., Mi. und Fr. von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet.
Ich weiß, warum ich meinen Wein so mache, wie er ist. Damit der Azubi das auch versteht und das theoretische Lernen nicht immer das gelbe vom Ei ist, ist Learning by Doing angesagt. So hat er nun sein eigenes Lehrlingsprojekt im Weinkeller stehen.
In Weinflaschen werden verschiedene Varianten an Rieslingmosten vinifiziert. Mangels passenden Gärverschlüssen muß ein einfaches Leinenläppchen reichen, damit die leider vorhandenen Fliegen nicht im gärenden Saft landen.
Als Spielarten sind u. a. dabei: Wir machen gar nix am frisch gekeltertem Saft bis hin zum fast gänzlichem entfernen der Trubstoffe, entschleimen genannt, das ganze noch in verschiedenen Spielarten, bzw. Klärgraden. Dazu noch Varianten als Reingärung – also eine ausschließliche Vergärung mit der echten Weinhefe – und mal gucken welche Mikroben denn sonst noch den Fruchtzucker verwerten können. Auch sind Gäransätze von Trauben dabei, die unser Ernteteam als vergammelt und verdorben auf den Boden geworfen hat.
Nächste Woche werden die Versuchsansätze erstmalig probiert und der Azubi hat hoffentlich ein Lernerfolgserlebnis.
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