by Harald | 15. Mai 2025 | Klimawandel, Weinberg
Bis jetzt haben wir einen sehr guten Start in die Vegetationsperiode. Aus jeder Rebknospe ist ein Trieb gekommen. Es gab keine Schäden durch Knospenschädlinge. Auch gab es keinen desaströsen Spätfrost und Hagelschlag wie im letzten Jahr.
Das Wetter zeigt sich derzeit von seiner typischen, eher kühlen Mai-Seite. Von den Auswirkungen des Klimawandels ist bei den Temperaturen momentan wenig zu spüren – wohl aber beim Niederschlag. Seit März hat es, abgesehen von ein paar Tropfen, praktisch nicht geregnet. Den tief wurzelnden Reben macht die Trockenheit noch nichts aus. Lediglich bei einigen Begrünungspflanzen sieht man leichte Welkeerscheinungen, und in der Landwirtschaft gibt es die ersten Probleme.
Bild: Archiv
Noch sehe ich die Wetterbedingungen für uns positiv. Im Gegensatz zu den beiden letzten Jahren sind Pilzkrankheiten weit und breit nicht zu sehen und auch momentan nicht zu erwarten.
Die Befahrbarkeit unserer Steillagen ist ausgezeichnet. Es gibt kein nerviges Rumgerutsche mit dem Kettenschlepper im Steilhang wie in den letzten Jahren. Jede Steigung wird problemlos bergauf bewältigt.
Trotzdem wünsche ich mir bald Regen!
by Harald | 4. Mai 2025 | Allgemein, Rund ums Weingut, Weinberg
Die Landschaft ist ergrünt und die Reben fangen mit dem Hauptwachstum an. Die Sommerarbeiten stehen unmittelbar bevor und werden uns voll in Anspruch nehmen. Damit in den kommenden Wochen alles reibungslos läuft, haben wir uns in den letzten Tagen intensiv um unsere Maschinen gekümmert. Neben den üblichen Wartungsarbeiten wie Öl- und Filterwechsel, Schmierung der Lager und allgemeinen Durchsicht der Geräte wurden auch notwendige Reparaturen durchgeführt.
Besonders anspruchsvoll war die Reparatur ausgefranster Innengewinde in einer Lagerbuchse des Mähgeräts – etwas, das ich vorher noch nie gemacht hatte. Theoretisch ganz einfach und nachdem ein Freund mir weitere Tipps gegeben hatte, schritt ich zur Tat. Das beschädigte Gewinde ausbohren, ein neues, größeres Gewinde einschneiden und dann einen sogenannten Helicoil, einen Gewindeeinsatz einschrauben. Es klappte erstaunlich gut, und ich war richtig stolz auf mich. Ob es denn letztendlich eine erfolgreiche Reparatur war, wird sich zeigen, wenn in den nächsten Tagen mit dem Mähen der Begrünungen beginne.
Eigentlich bin ich zum Erfolg verdammt, da der Mulcher schon etliche Jahre auf dem Buckel hat und Ersatzteile teilweise nicht mehr käuflich erwerbbar sind. Einige Ersatzteile liegen bei uns noch auf Lager, aber die Endlichkeit ist absehbar.
by Harald | 26. April 2025 | Ökologie, Rund ums Weingut, Sonstiges
Den ganzen Winter über hatte ich es nicht gesehen: Sciurus vulgaris, das Eichhörnchen, von dem ich im Herbst berichtet hatte, ist wieder da.
Im November noch sehr scheu, fast unmöglich zu fotografieren, zeigte es sich nun entspannter. Ruhig an Hochbeet an der seit Herbst versteckten und wieder entdeckten Walnuss knabbernd. Es hatte etwas von seiner Scheu verloren, denn es ließ mich erstaunlich nah herankommen für eine ausgiebige Fotosession.
Leider waren die Nüsse im Hochbeet versteckt, das nach der Nussjagd etwas verwüstet aussah. Zum Glück hatte ich keine Samen in das Beet gesät, die wären sicher beschädigt worden. Den Jungpflanzen hat das Wühlen des Eichhörnchens nichts ausgemacht.
by Harald | 13. April 2025 | Klimawandel, Weinberg, Wetter

Früher als im langjährigen Mittel, aber später als in den letzten Jahren hat der Austrieb begonnen. Die Rebknospen sind dick geschwollen und erste Blättchen sind teilweise sichtbar. Bei den jetzt gemeldeten höheren Temperaturen wird das Rebwachstum gefördert. Die Weinbergarbeiten wie Rebschnitt und binden der Reben sind erledigt. Die Pheromondispenser zur Bekämpfung des Traubenwicklers haben wir in den letzten Tagen aufgehängt. Sie wissen schon, das ist die Sache mit „Schluss mit lustig“. Hier nachzulesen.
Auch haben Knospenschädlinge, wie z.B. der Rhombenspanner kaum Schäden verursacht. Das Zeitfenster, in dem der Wurm die Knospen ausfressen kann, ist dieses Jahr sehr kurz. Die jungen Rebtriebe wachsen schneller als der Rhombenspanner, die für ihn schmackhaften Knospen fressen kann.
Jetzt fehlt nur noch Regen für einen guten Start in die Vegetationsperiode. Dieser März ist äußerst trocken gewesen, einer der trockensten seit Messbeginn im Jahr 1881, heißt es vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Für die Landwirtschaft ist das ein großes Problem. Für uns Winzer noch nicht so sehr, denn die Reben wurzeln sehr tief und finden dort noch Wasser. Hat was mit Klimawandel zu tun…
Die Mosel führt ungewöhnlich wenig Wasser. Die unter Wasser gelegenen Böschungssteine sind alle trocken. Der Wasserpegel ist auf dem Tiefststand. Ohne die Staustufen wäre die Mosel ein Rinnsaal wie der Rhein.
Kein Vergleich zu den extrem nassen letzten beiden Jahren. Riskante Fahrmanöver mit dem Kettenschlepper im Steilhang und extrem hohe Begrünungen infolge der überreichlichen Niederschläge sind dieses Jahr nicht zu erwarten. Die Grasnarbe ähnelt eher einem Magerrasen. Fast pflegeleicht!
Die Wetteraussichten für die nächsten Tage sind bis auf den fehlenden Regen gut. Vor allem die Nachttemperaturen liegen deutlich im Plusbereich. In der vergangenen Woche gab es morgens noch leichte Minusgrade, die bei der extrem trockenen Luft den schon empfindlichen Rebknospen keinen Schaden zugefügt haben. Ein nochmaliger katastrophaler Spätfrost wie im letzten Jahr braucht keiner.
Wir sind gespannt, was uns die kommende Vegetationsperiode bringt. Dürre oder Dauerregen mit nie dagewesenem Hochwasser und Pilzbefall, oder vielleicht doch ein normaler Sommer ohne Wetterextreme wie in den vergangenen Jahren.
Wünsche an das Wetter hätten wir genug.
by Harald | 30. März 2025 | Wein, Weinverkauf, Werbung
Bild: KI generiert
Die Weinbezeichnungen in Deutschland werden neu geordnet – nach dem Prinzip: „Je kleiner die Herkunftsangabe, desto höher die Qualität.“
Zuerst die Kurzfassung, unten die Langfassung.
Was bedeutet das für Sie? Nicht viel! Nur die Bezeichnungen ändern sich ab dem Jahrgang 2024:
• Kabinett, Spätlese und Auslese entfallen. Stattdessen geben Orts- und Lagenbezeichnungen die Qualität an.
• Unsere 1,0L-Flasche bleibt Mosel Riesling
• Die bisherigen Reiler Goldlay & Burger Hahnenschrittchen werden als Gutsriesling zusammengefasst.
• Die ehemaligen Kabinettweine heißen jetzt Ortsweine, also Reiler oder Burger Riesling
• Spätlesen heißen nun nach ihrer Einzellage: Reiler Goldlay, Burger Hahnenschrittchen oder Burger Wendelstück.
• Ehemalige Auslesen könnten künftig als Großes Gewächs oder Erste Lage bezeichnet werden – sobald die gesetzlichen Regeln feststehen.
Klingt kompliziert? Folgend die Langfassung:
Die bisherige Qualitätspyramide mit der Kombinierung der Herkunft und den Qualitätsstufen Qualitätswein, Kabinett, Spätlese, Auslese usw. wird ersetzt durch eine Pyramide, in der die engste Herkunftsangabe die höchste Qualität bedeutet.
Der Kern der „neuen“ Weinrechtsreform wurde bereits 2009 von der EU gefordert. Deutschland hat diese erst 2021 mit langen Übergangsfristen umgesetzt. Die geforderte europarechtliche Veränderung des Weinbezeichnungsrechts zum Erntejahrgang 2026, also erstmalig mit der 2025er Ernte, werden wir schon mit dem 2024er Jahrgang vornehmen. Beim Sekt ändert sich vorerst nichts. Die neue Qualitätspyramide ist in Zukunft nach dem Grundsatz zu verstehen: „Je kleiner die geografische Angabe, desto höher das Qualitätsversprechen“
Diese beruhen auf dem sogenannten „romanischen System“, das Qualität über die Herkunft eines Weins definiert. Ein Prinzip, das in den romanischen Ländern bereits sehr lang angewandt wird und im Gegensatz zum germanischen System steht, das die Güte eines Weines auf Basis des Mostgewichts eines Weines festlegt. Je höher der Oechsle-Grad und damit auch der Zuckergehalt des Mostes, desto höher das Prädikat und die Qualität des Weines. Diese Idee war bisher grundlegend für deutsche Qualitätssystem.
Im Hintergrund der neuen Systematik gibt es immer noch Reste des germanischen Systems mit dem Mostgewicht, also basierend auf den Oechsle Grade. Weitere Qualitätsvorgaben für die Spitzenweine wie z.B. Ertragshöhe, Mindestalkoholgehalt, gewisse geschmackliche Eigenschaften, Rebsorten und vieles mehr, werden erst im Laufe dieses Jahres in Gesetzen und Verordnungen festgezurrt.
Was ändert sich für Sie, als Verbraucher jetzt? Eigentlich ganz wenig.
Nur die Bezeichnungen für die Weine haben sich verändert.
Anstatt Qualitätswein heißt es jetzt „geschützte Ursprungsbezeichnung Mosel“ auch g.U. abgekürzt. Kennen Sie sicherlich von Parmesankäse oder Serranoschinken, um Beispiele zu nennen. Wir dürfen jedoch noch weiterhin den Begriff Qualitätswein verwenden, was wir auch tun werden. Die sogenannten Prädikatsbezeichnungen Kabinett, Spätlese und Auslese entfallen gänzlich.
Der frühere Tafelweinbereich, in dem wir nie produziert hatten heißt jetzt „Geschützte geografische Angabe (g.g.A.)“ spielt bei uns keine Rolle.
Nun die konkreten Änderungen für Sie:
Unser Wein für den großen Durst, die 1,0 L Flasche heißt weiterhin Mosel Riesling.
Die Einstiegsweine (0.75 l/Fl.) bisher als Reiler Goldlay und Burger Hahnenschrittchen gekennzeichnet, werden zusammengefasst und als Gutsriesling vermarktet.
Statt der Prädikatsbezeichnung Kabinett wird nur noch der Ortsbegriff Burger oder Reiler verwendet. Die Spätlesen werden als Einzellagenwein gekennzeichnet, also Reiler Goldlay, Burger Hahnenschrittchen oder Burger Wendelstück ohne weitere zusätzliche Qualitätsangaben. Die ehemaligen Auslesen bekommen als weitere Qualitätsbezeichnung neben der Einzellage noch die Angabe Großes Gewächs oder erste Lage. Vergleichbar mit dem Grand Cru in Frankreich. Wir werden uns darüber Gedanken machen, wenn die gesetzlichen Regeln Ende dieses Jahres feststehen und wir einen entsprechenden Wein ernten.
Im Süßweinbereich gibt es noch andere Bestimmungen, die uns als Produzent von trockenen Weinen nicht berühren.
Eine Zäsur nachdem das dritte Deutsche Weingesetz vom 7. April 1909 erstmalig die Verwendung von Einzellagen geregelt hatte und die schon im 19. Jhdt. eingeführten Begriffe Spätlese, Auslese in späteren Gesetzen definiert wurden.
Um das Ganze zu visualisieren, folgend die neue Qualitätspyramide im Vergleich zum bisherigen Bezeichnungsrecht.
Bild bitte anklicken für größere Ansicht.
Qualitativ wird sich nichts ändern, nur die Bezeichnung. Details ändern sich sicherlich, wenn die endgültigen Weinverordnungen, bzw. –gesetze Ende des Jahres verabschiedet sind.
Viele Kollegen haben schon die Weinbezeichnungen an die Neuen Gesetze angepasst, andere nicht. Etliche haben einen Wirrwarr zwischen altem und neuen Weinrecht in Verwendung. Dazu kommen noch eigene betriebsinterne, nicht gesetzlich geregelte Qualitätsabstufungen wie z.B. Alte Reben, eigene klassifikationen mittels Sternen usw. dazu. Sicher ist jedoch, dass Sie als Verbraucher es nicht einfacher haben werden. Es ist eher komplizierter geworden, insbesondere da die alten Qualitätsbezeichnungen bei restsüßen Weinen noch lange verwendet werden dürfen.
Gerne stehen wir Ihnen für Fragen zur Verfügung!
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