Neues Sortiment

Der neue Jahrgang liegt nun nach der Filtration füllfertig im Weinkeller und wartet auf die Abfüllung Ende nächster Woche.

Beim Filtrieren bereitete mir die Weitergabe von praktischem und theoretischem Wissen – nebst dem Geheimwissen des Kellermeisters – an meine Nachfolger wieder große Freude. Es war spannend zu erleben, wie intensiv und schnell mein Wissen abgefragt, aufgenommen und umgesetzt wurde. Ein gutes Zeichen für die Zukunft.

Wie jedes Jahr, der eigenen Betriebsblindheit vorbeugend, wurden die 2025er Rieslinge mit dem legendären Steffens-Keß Verkosterteam probiert. Zugleich wurde das 2025er Sortiment meiner Nachfolger vom Weingut von Vielen final gestaltet.

Die Jungweine präsentieren sehr klar und fruchtig. Sie gefallen uns sehr gut. Frische Frucht, elegant und saftig. Feines Rieslingbukett mit einem breiten Aromenspektrum von reifen Birnen, Pfirsichen, Passionsfrüchten und anderen für den Moselriesling typischen Fruchtaromen.

Nebenbei wurden die ersten Entwürfe der neuen Etiketten vorgestellt und gemeinsam besprochen. Sie präsentieren sich farbenfroher, jünger und kreativ gestaltet und verleihen dem Erscheinungsbild eine frische, moderne Note. Damit unterscheiden sie sich von den bisherigen Etiketten, die schlichter gehalten waren, zu ihrer Entstehungszeit jedoch ebenfalls modern und innovativ waren.

den Mantel nehmen…

Symbolfoto

Wie im vorletzten Eintrag hier im Blog schon angedeutet, haben wir Nachfolger für unser Weingut gefunden. Schon vor Jahren versuchten wir schon einmal Nachfolger bzw. Käufer zu finden. Aber Pustekuchen. Einige Interessenten kamen vorbei, der Chinese mit seiner Entourage war sogar zweimal im Weingut. Dann kam Corona dazwischen…

Vor zwei Jahren dann die Überraschung: Die eigenen Kinder, Schwiegerkinder und ein langjähriger Freund der Familie wollen das Weingut übernehmen. Eine gelungene Überraschung an Weihnachten! Die Lebensinteressen waren schnell geklärt. Übernahmedatum durch die Kinder, Ausscheiden unsererseits passte bestens zusammen. Die Übernahmebedingungen waren schnell klar. Die wichtigste Bedingung der Übernehmer an die sogenannten Altenteiler (also wir, Marita Keß und Harald Steffens) war, dass wir eine neue Behausung suchen müssen, die so weit weg vom Weingut entfernt ist, dass wir „den Mantel nehmen“ müssen, um nach Hause zu kommen.

Das ist vor einigen Wochen schon geschehen und wir wohnen jetzt in Ortsrandlage mit einem herrlichen Blick auf die Mosel und die Weinberge. Auch wenn wir für den Weg zum Weingut nun einen Mantel anziehen – den Hut werden wir noch nicht nehmen. Dies ist auch von unseren Nachfolgern erwünscht!

Es gibt noch viel zu tun: Wissen über Weinbau, Kellerwirtschaft und Betriebsführung muss weitergegeben werden. Wir bleiben aktiv dabei, unterstützen mit unserer Erfahrung und unserer Arbeitskraft. Im Verkauf bleiben wir weiterhin die Ansprechpartner für unsere treuen Kunden.

Was sich verändern wird? Das Weinsortiment wird sich ein wenig weiterentwickeln und diverser werden. Bleiben wird die hohe Qualität, der ökologische Anbau und die von uns gewohnte Stilistik. Eine direkt spürbare Veränderung ist der Name des Weinguts. Ab sofort heißt es:

„Weingut von Vielen“

Felix Keß-Krüger, Vanessa Krüger, Sophie Keß, Lino Keß und Leon Heimes.

Wir freuen uns auf alles, was kommt – und darauf, weiterhin ein Teil dieses Projekts zu sein.

In einem der nächsten Beiträge stellen wir Ihnen unsere Nachfolger persönlich vor – die Menschen, die dem Weingut von Vielen künftig Gesicht, Handschrift und Haltung geben.

Man könnte darin baden…

Seit kurzem bin wieder in die Ausbilderrolle geschlüpft. Mein letzter Azubi musste aufgrund seiner Glanzleistungen unser Weingut verlassen. Ich hatte schlicht die Nase voll und die Stelle war vakant. Darüber habe ich hier nicht berichtet …

Aber nun geht es weiter!

Wir sind dabei die Nachfolge für unser Weingut zu regeln und es müssen noch einige Ausbildungsinhalte und des Kellermeisters Geheimwissen an die Nachfolger vermittelt werden – ich werde später darüber berichten. So konnte ich mich auf die Zuschauer- und Kommentatorrolle zurückziehen. Es machte richtig viel Spaß zuzusehen, wie hoch motiviert im Team gearbeitet wurde. Bei der Kellerarbeit letzte Woche wurden die vorherigen Arbeitsunterweisungen, Aufgabenstellungen und Erklärungen perfekt umgesetzt. Die ersten hefetrüben Jungweine wurden grob von der Hefe getrennt. Der Bodensatz im Faß, allgemein als Hefe bezeichnet,  besteht nicht nur aus reiner Weinhefe. Restliche Fruchtfleischteilchen und Trubstoffe, die bei der Mostklärung nicht erfasst wurden, sind neben Weinstein ebenfalls in diesem Sediment zu finden. Diese könnten evtl. zu mikrobiologischen Problemen führen.

Auch nach dem Grobabstich verbleibt noch genug Feinhefe im Wein. Die jungen Weine können so noch von den positiven Geschmacksstoffen der Hefen profitieren.

Wenn ich mal Zitieren darf:

„Der Abstich der Weine ist nicht nur ein Fasswechsel, sonderen eine der Notwendigkeiten in der Kellerwirtschaft, deren Bedeutung für Ausbau, Haltbarkeit und Wohlgeschmack der Weine  man meist nicht besonders herausstellt. Für sich genommen ist der Abstich das Umfüllen eines Weines aus einem Behälter in den anderen, unter gleichzeituger Abtrennung des Trubes. In Verbindung mit Schwefeln, Lüften, Schönen oder Klären und bei Zeitgerechter Durchführung ist er aber eine der grundsätzlichen Maßnahmen zur Beeinflussung des Weinausbaus.“

Handbuch der Getränketechnologie von Gerhard Troost

Natürlich wurden auch alle Weine probiert. Wir können sehr zufrieden sein. Die Rieslinge machen schon sehr viel Spaß. Würzige, frische Fruchtaromatik und die typische Leichtigkeit des Moselweines bei jeder Menge Trinkspaß.

Und von Probe zu Probe wurde uns immer klarer:

Man könnte darin baden…

gebauchpinselt

Man fühlt man sich richtig gebauchpinselt, wenn im Sommer und Spätjahr die Urkunden der Verkostungswettbewerbe eintreffen. Punkte und Sternchen werden vergeben, mal mehr, mal weniger. Jeder Veranstalter eines Weinwettbewerbes meint, dass seine Beurteilung das Non plus Ultra ist und er die Meinungsführerschaft besitzt. Da bin ich anderer Meinung, wie Sie hier im Blog, „Die Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß“ schon des Öfteren lesen konnten. Meinungsführerschaft hat der Verbraucher. Er muss den Wein ja trinken! 🙂

Wir freuen wir uns trotzdem, von verschiedenen Weinführern seit Jahren zu den besten Weingütern Deutschlands gezählt zu werden. Abseits von Punkten und Sternchen gibt es weitaus mehr. Weitaus besser gefallen mir – nicht immer – die Kommentare zu den Weinen. Während der eine Verkoster noch das Haar in der Suppe finden will und entsprechend abwertendes oder gar beleidigendes schreibt, kann man bei anderen lobende Worte lesen.

Gerhard Eichelmann vom gleichnamigen Weinführer fand dieses Jahr wieder schöne Worte für unsere Rieslinge:  Auf den sehr präsenten, saftigen Literriesling folgen mit dem Burger und dem Reiler Riesling zwei Ortsweine, die nun anstatt der früheren Kabinette abgefüllt werden. Der Wein aus Burg wirkt etwas präsenter, im Mund auch zupackender; der Reiler Riesling ist fein und elegant, deutlich im Kabinettstil gehalten, auch wenn dieser Begriff nun fehlt…“